Freitag, 10. Juli 2020

26. Tag: Ruhetag in Gingen/Geislingen




Die Pension "Wiedemann" ist allererste Sahne. Das Frühstück vom Feinsten und die pensionseigenene Wäscherei - perfekt. Nein, im Ernst, liebe Marlies, lieber Werner, vielen Lieben Dank für Eure Gastfreundschaft. 
Und für das tolle Kulturprogramm gestern und heute. 
Zuerst eine Stunde Schwäbisch für Exilanten.
Schwäbisch, wie eigentlich alle Dialekte sind einfach unerreicht, was das ausdrücken Gefühlen betrifft. Besonders für das Wichtigste Gefühl des Schwaben: seinen Unmut äußern.. Es gibt kaum schönere Schimpfwörter und liebevollere Beleidigungen als im Schwäbischen.

Zu meinen Lieblingsschimpfwörtern gehört: Platz 3"So a Lättagschwäz!"   
                                                                         Platz 2 : "Muggaseggele"
                                                                         Platz 1:  "Glufamichel".

Es ist heute etwas spät geworden, wir waren bei Ute und Thierry eingeladen, daher muss mein Tagesbericht etwas straffer ausfallen. Ich hoffe, ich finde Morgen etwas mehr Muse, um Euch im Detail zu erklären, was ein Glufamichel ist!

Für das heutige Tagesprogramm hat sich mein Schwager etwas ganz besonderes ausgedacht. Er hat Herrn Junginger engagieren können, der uns eine ganz exklusive Führung durch die Arbeitersiedlung,  der Staubschen Siedlung gegeben hat. 


Für alle Nicht Geislinger, Nicht Kuchemer oder Nicht EKWler, die Staubsche Siedlung ist ein frühes Beispiel einer Arbeitersiedlung, die geleitet vom Gedanken der Arbeitererziehung aber der Verbesserung der Lebensumstände der Arbeiterschaft, beispielgebend für eine ganze Bewegung war.
Die Staubsche Baumwollspinnerei und Weberei, wurde vom Schweizer Arnold Staub gegründet, der sich durch die Produktion innerhalb des Deutschen Zollbundes neue Absatzmärkte zu erschließen hoffte. Er bestellte 1857 460 Webstühle in England, was die spätere SBI (Süddeutsche Baumwollindustrie) zur größten Baumwollweberei seiner Zeit in Deutschland machte.


Zeitgleich begann er mit der Realisierung seiner Pläne zu einer Arbeitersiedlung, mit Badehaus,


(Wannenbäder, aber auch mit einem Warmwasserbecken), mit Kinderbewahranstalt, Schule und Krankenstation




Mit Wohnheim für ledige Arbeiterinnen. Speisesaal nebst Warmhaltevorrichtungen für das mitgebrachte Essen. 
Wohnungen etc. pp.
Zum einen aus calvinistischer Gesinnung heraus, zum anderen aber auch durchaus aus unternehmerischem Kalkül heraus, war die Staubsche Arbeitersiedlung beispielhaft für eine neues Bewusstsein wie man "der  miserablen Situation und der Verrohung der Arbeitenden Klasse" entgegen wirken könne.
Seine Konzeption fand bei der Weltausstellung 1867 so großen Anklang, dass es mit einem ersten Preis und 10.000 Gold Franc ausgezeichnet wurde, die Staub als Grundstock in eine Pensionskasse einbrachte.
Vorbildhaft einerseits, andererseits war dem Konzept natürlich auch ein knallhartes Überwachungssystem zu eigen. Die Wohnhäuser hatten alle getrennte Eingänge. Damit wollte man verhindern, dass "Treppenhausgeflüster" zur Grundlage von Rebellion und Aufsässigkeit führen könnte. Und wenn man bedenkt, dass im selben Jahr an dem Staub in Paris mit Orden und Auszeichnungen überschüttet wurde, die Arbeiterschaft erste Versuche unternahm, sich gegen den 16 Stunden Arbeitstag aufzulehnen, dann wird die Ambivalenz des Konzeptes deutlich.
Nichtsdestoweniger hatten wir heute einen höchst unterhaltsamen und informativen Nachmittag. Vielen Dank, Herr Junginger und vielen Dank, Marlies und Werner.
Danach kurze Pause, dann stand der nächste Programmpunkt auf der Tagesordnung:
Family Reunion in Geislingen, bei Ute und Thierry, mit Tina und Thomas und allen Kindern!
Und der großen Kartoffelsalat-Battle, Bimscher (Böhmischer Kartoffelsalat) von Ute in der linken Ecke und schwäbischer Kartoffelsalat von Marlies in der rechten. Beide waren absolut delikat, genauso wie der Leberkäs, aaaaber, liebe Marlies, was a rechtes Flichtlingskind ist, dem hat der Bimsche Kartoffelsalat doch, ja, wirklich ein bisschen besser geschmeckt, sorry Schwescherle!


Vielen Dank! Euch Allen! Das war ein wunderschöner Abend! Es ist spät geworden, und Morgen geht es wieder auf die Piste!
Bleibt mir gewogen,
A guats Nächtle, und Gsond!
Bleibt mir gewogen, bis Morgen!

2 Kommentare:

  1. Glufamichel bzw. Glufamichel....
    Eine Glufe ist eine Steck-oder Sicherheitsnade..
    und ein Glufamichel ist ein Art Pfennigfuchser, ein pedantischer und recht kleinlicher Mensch. Ist ein Schimpfwort. Man kann ihn eigentlich nicht so richtig leiden.
    Ein Glufamichel bückt sich z.B.... um eine gefundene, alte und relativ wertlose Nadel vom Boden aufzuheben und diese in seiner "Klufaschachtel" aufzubewahren. Ma kennt se ja amol braucha...

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  2. Glufe bzw. Glufamichel....
    Eine Glufe ist eine Steck-oder Sicherheitsnade..
    und ein Glufamichel ist ein Art Pfennigfuchser, ein pedantischer und recht kleinlicher Mensch. Ist ein Schimpfwort. Man kann ihn eigentlich nicht so richtig leiden.
    Ein Glufamichel bückt sich z.B.... um eine gefundene, alte und relativ wertlose Nadel vom Boden aufzuheben und diese in seiner "Klufaschachtel" aufzubewahren. Ma kennt se ja amol braucha...

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