Es rumpelt im Flur. Der Aufzug war gestern Abend defekt.Sollte er schon repariert sein? Der 6.Stock mit Balkon ist Luxus pur. Aber nur wenn der Aufzug geht. W e n n er nicht geht, dann müssen wir heute Morgen gleich packen, in voller Radlermontur zum Frühstück und gleich Auschecken. Noch mal hoch nach dem Frühstück, no way! Wenn der Aufzug aber geht....? Das müsste man heraus bekommen, ehe man sich anzieht. Also testen!
Ich schleiche mich raus, mit dem Badehandtuch, um die Hüfte. Ich weiß ja, wir sind allein auf dem Stock. Das Schild ist noch dran. Aber wenn er schon geht, und noch niemand auf dem 6.Stock war, um es wegzunehmen? Muss man ausprobieren. Also kurz rein in den Aufzug. Auf 5.Stock gedrückt.
Die Türe schließt, der Aufzug bewegt sich.... einen 1/2 Stock weit und steht.
Ich stehe, in Badelatschen und mit dem Handtuch um die Hüfte im Fahrstuhl. Der Fahrstuhl steht.
Ich rufe,
Friederike hört mich rufen, kommt zu meiner Rettung, auch noch noch richtig bekleidet, ... und die Zimmertür fällt hinter ihr ins Schloss.......
So hat der Morgen des 18. Tages begonnen....
fast!!
Bis zu dem Punkt, an dem ich tatsächlich den Knopf im Fahrstuhl zum 5.Stockwerk gedrückt habe.
ZUM GLÜCK war der Fahrstuhl noch defekt.
Erst in Nachhinein ging uns auf, in welcher Slapsticknummer wir hätten landen können.
Da packen wir doch gerne vor dem Frühstück und schleppen das Gepäck die 6 Stockwerke nach unten.
Das hat die Abreise heute erheblich beschleunigt.
Es, es es und es, es war kein harter Schluss,
weil, weil, weil und weil man heut aus Frankfurt muss.
Ein heftiger Westwind bläst uns entgegen. Wir sind auf Alles gefasst. Das wird heute wahrscheinlich kein romantischer Radeltag!
Frankfurt-Höchst das sagt doch Alles!
Aber wider aller schlimmen Erwartungen, es wurde ein sehr gemütlicher und angenehmer Radeltag bis Mainz. Teilweise Parklandschaften. Teilweise Industriekomplexe, die es zu umfahren galt.
Und dann wieder idyllische Abschnitte zwischen Schilf und Weinstöcken.
Und dann plötzlich - der Rhein. Das ist schon ein anderes Kaliber als der schnuckelige Main.
Und dann kommt tatsächlich ein Schlepper von unten her und dreht in den Main ab. Großes Spektakel!
Der hat ganz schön Wasser aufgewirbelt, um diese Kurve zu nehmen.
So jetzt will ich aber Friederike noch etwas zum Erzählen lassen. Ein Bild von Mainz aber noch von mir. Aus einem anderen Leben, als ich noch dumme Fragen stellte, hier meine Frage des Tages:
Wie hießen noch einmal die Heiligen, die Ihren Kopf unter dem Arm tragen? Erster Preis 3 Aspirin:
Frieda:
ja, der Tag hat sehr lustig angefangen! und ging überraschend schön weiter und endete recht spannend.
Die Strecke war wirklich schön, ich hab auch nach Bademöglichkeiten Ausschau gehalten, aber nachdem wir um das Chemiewerk Höchst herumgeradelt waren , habe ich beschlossen nicht mehr in diesen Fluss zu steigen. Wir kamen an einem Schwimmverein vorbei- gegründet 1910 , kurz nach Höchst, also flussabwärts, und ich wollte mir nicht wirklich vorstellen, in was für einem Wasser diese Männer damals gebadet haben. Zum Radeln wars klasse:
Die Stadt hat einen schönen Marktplatz,
und unten am Rhein den Mainzstrand, wo man essen, Cocktailtrinken und chillen kann.
Das haben wir gemacht, genau der richtige Ort für den Sundowner.
Einige Schiffe, hauptsächlich Schlepper kamen vorbei und auch ein großes Ausflugschiff mit exakt 7 Passagieren. Immer mal wieder sieht man ein Flugzeug vom Frankfurter Flughafen aufsteigen, es ist laut, wenn es über uns wegfliegt
Diesen Schlepper, voller Traktoren widmen wir unserer Enkelin Carla L., die Traktoren liebt und bestimmt mal eine tolle Traktorfahrerin wird:
Und dann wurde es immer dunkler, ein Gewitter baute sich auf, heftiger Wind kam auf, die Leute haben den Mainstrand schnell verlassen.
Wir auch: Schnell zu den Rädern, Manne voraus. Er rast auf eine Treppe zu, schnappt sich sein Rad und jettet nach oben. Da sind wir aber gar nicht runtergekommen, das hätte ich mir gemerkt. Aber okay, ich hinterher, Fahrrad gepackt, eine lange lange Treppe hochgewuchtet. Und dann stand man direkt auf dem Randstreifen einer Schnellstrasse. Manne rast hinüber, ich nicht. Da kamen die Autos aus einer unübersichtlichen Kurve in einem Affenzahn. Manne auf der anderen Seite wedelt und fuchtelt, ich zeig ihm noch schnell den Vogel und balanciere auf dem Randstreifen in sicheres Fußgängergebiet. Das gab es in diesem ruhigen Mainz ja durchaus auch. Zum Glück hatte ich mir die Straße von unserem Hotel gemerkt, und bin mit dem Handy am Ohr hingegondelt. Manne stand schon da wie der Platzeinweiser auf dem Flughafen, und hat mich in die Garage eingewunken. Er war schon froh, dass ich nicht verloren gegangen bin. Ich auch!
Unter unserem Hotelzimmer gibt es eine kleine Terrasse und da haben sich heute zwei Schüler einer Sprachschule getroffen, um Hausaufgaben zu machen: eine Koreanerin und ein Südamerikaner.
"Hast du gelernt, für morgen?"
"Ja ich habe geubt, aber nicht vorbereitet. Das mögen sie nicht. Du musst spontan antworten."
Und dann erzählt sie, wie sie in der letzten Stunde erklären musste, wie man sich vor Corona schützt und wie die ganzen Dinge heißen, die jetzt so wichtig sind: Mundschutz, Hände waschen, Desinfektionsmittel.
Wir haben heute übrigens die 1000 km überschritten, fast genau da, wo der Main in den Rhein fließt.
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