Montag, 13. Juli 2020

29.Tag: Von Tübingen nach Oberndorf





Es wird eng werden, bei dem Ranking der besten Unterkünfte der Reise. Vielen lieben Dank, Helga und Werner für Eure tolle Bewirtung und den schönen Abend.
Jetzt kann es auf die Schlussetappen gehen!

 Klar,  die letzten 3 Tage werden keine Flachetappen mehr, schließlich kommt der Neckar aus dem Schwarzwald. 
Ein wunderschöner Morgen, noch nicht heiß, genau richtig um sich aufs Rad zu schwingen. 


Gleich hinter Tübingen die Wurmlinger Kapelle. Wahrscheinlich kennt jeder den Anfang des Gedichts von Ludwig Uhland:

"Droben stehet die Kapelle,
schauet still ins Tal hinab,
drunten singt bei Wies und Quelle
Froh und hell der Hirtenknab.

Bei "Hirtenknab" spätestens kommen die ersten Pusteln. Nö, das Gedicht muss ich nicht in unserm Blog haben.

Weiter nach Rottenburg, 


Ich war noch nie im Dom St. Martin, das soll heute nachgeholt werden, wenn ich schon so nahe dran vorbeiradle. 
War etwas enttäuschend. Hätte auch eine protestantische Kirche sein können. In den 70er Jahren ist sie modernisiert worden, das hat ihr den letzten Charme ausgetrieben. Fast so, als wollte man damals den "Bischofssitz" aufwerten, denn als Dom kommt das Kirchlein ein wenig klein daher.
Nicht mein Problem
Der Neckar wird merklich kleiner. Ein Flüsschen, das nur noch an Stauwehren etwas "zunimmt".


Es radelt sich beschaulich an diesem Montag, wenn nicht immer wieder Baustellen dem Radweg ein Ende bereitet hätten und man auf  die Straße geführt worden wäre. Nicht viel Verkehr, aber einige Anstiege.
Überhaupt war die Ausschilderung des Neckarradweges heute nicht ganz so optimal. Immer wieder fehlt der Hinweis an entscheidenden Stellen. 
Vor Horb kennt man die Weitenburg von der Autobahn her,


die hier das Neckartal überquert. So habe ich die Brücke noch nie gesehen.


ein beeindruckendes Bauwerk!


 Horb, wie immer ein Verkehrsdesaster und der Radweg verschwindet in einer Baustelle, rauf auf die Umgehungsstraße, nur kurz, aber nicht schön! Horb soll ja von "Horw" = Sumpf kommen, Verkehrssumpf, - passt!

Dann kommt der Abzweiger nach Glatt, - wieder fehlen die entscheidenden Schilder. Albert will mich nach Glatt schicken, die Schilder zeigen alle nur nach Glatt. Aber nach Glatt will ich nicht, da waren wir vor 2 Jahren, der Glatt-Bach kommt aus einem Seitental hin zum Wasserschloss. An der Straße klumpen sich die wenigen Radfahren,die heute unterwegs sind. Endlich kommt jemand, der sich auskennt. Man muss schon den Weg hoch Richtung Glatt, aber in etwa 200 m kommt dann die Abzweigung Richtung Oberndorf. Toll, hätten sie ja auch schon unten hinschreiben können, Entschuldigung Albert. 
Die nächsetn Kilometer sind eine muntere Berg- und Talfahrt, mal hoch, dann wieder runter zum Fluss, dann wieder hoch, das ermüdet auf Dauer.


Aber es ist schön hier. Sehr still, sehr einsam. Kilometerlang trifft man keinen Menschen, Dörfer nur in der Ferne, ab und zu ein Hof.


Die Strecken im Wald kommen mir schon seehr schwarwälderisch vor, findet Ihr nicht auch? So bleibt die heutige Etappe erfreulich ereignislos. Manchmal anstrengend aber keinerlei Must-see-highlights. Einfach nur Wald, Fluss, Wiesen, Dörfer.
Ok, Sulz vielleicht. Das "Bauernfeind"-Museum? Bauernfeind hat in der 2.Hälfte des 19.Jh. Palästina bereist und gilt als renommierter Orientmaler.


Ein Sulzer in Orient. Ich habe ja ein Faible für skurriles, aber heute ist leider Montag! Dann halt ein andermal!.
So bin ich relativ früh in Oberndorf. Mauser-Stadt, und am Hang. Mein Hotel heißt, "Am Wasserfall", hätte ich mir denken können, dass das nicht in der Innenstadt liegt. Also heute ist wirklich eine Bergankunft angesagt. 
Dafür ist es aber wirklich eine sehr angenehme Unterkunft. Gutes Essen, voll mit Monteuren, gute Stimmung, ordentliche Zimmer, preisgünstig. 
"Den Wasserfall gibt es nur, wenn es wirklich lange und viel regnet!" Erklärt mir die Bedienung. Kann ich mir den Waldspaziergang als auch sparen, und die Stadtbesichtigung mache ich Morgen im Runterfahren.
Das wär´s eigentlich für heute. Morgen die vorletzte Etappe und die letzte Übernachtung! Mann, geht das jetzt schnell auf das Ende der Reise zu!
Aus der Stadt, in der mit Waffen und Tod Geschäfte gemacht werden, nun doch noch ein Gedicht:

Linker Marsch, den Matrosen, (Левый марш ) W. Majakowski:

Entrollt euren Marsch, Burschen von Bord!
Schluß mit dem Zank und Gezauder.
Still da, ihr Redner!
Du hast das Wort,
rede, Genosse Mauser!
 Brecht das Gesetz aus Adams Zeiten.
Gaul Geschichte, du hinkst …
Woll’n den Schinder zu Schanden reiten.
Links!
Links!
Links!....

Zur Mauser haben alle gerne gegriffen!
Man findet immer einen "tri(f)tigen" Grund einen Feind zu töten!
Und Mauser gewinnt an allen Fronten, - auf beiden Seiten!

 Aber genug! Eine geruhsame Nacht!
Und schaut Morgen wieder vorbei.




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