Samstag, 11. Juli 2020

27. Tag: Von Gingen nach Nürtingen


die Karte






Nun (g)rast er wieder am Neckar. Na ja, mit dem Rasen war es nicht so weit her. Ein kalter böiger Wind, mitunter auch direkt von vorn, hat das zu verhindern gewusst. 
Auf dem Bild kann man - wenn man genau hinschaut, die Mündung der Fils in den den Neckar sehen. Von links kommt die Fils und rechts fließt der Neckar raus.

Aber von vorn:

Über Nacht muss es ordentlich geregnet haben. Es ist richtig frisch. 
Ich lasse mir Zeit, die heutige Etappe wird nicht übertrieben lang. Und außerdem lasse ich mich gern noch ein wenig in der "Pension Wiedemann" verwöhnen!!


Danke noch einmal! War toll bei Euch.

Da ich ja vorgestern deutlich weiter "unten" im Filstal raus gekommen bin, als ursprünglich geplant, fahre ich zum ersten Mal über 15 km doppelt. Und zum ersten Mal gibt es die 11-Uhr-Banane  2x an genau an der gleichen Stelle. Kurz vor/nach Uhingen. Die Radwege und Albert schlagen sich wacker im immer dichter werdenden Verkehrsnetz vor Plochingen. Mal unter der Schnellstraße, mal über den Zubringer, mal unter der Bahn, mal über die Fils, mal links am Hang, mal rechts.
Aber insgesamt klappt es eigentlich ganz gut. 
Der Neckarradweg bleibt wie es sich gehört, - am Neckar,  und der Neckar auf diesem Abschnitt renaturiert plätschert mir munter entgegen.



Doch das ändert sich leider bei Köngen. Gerade bewundere ich noch die historische Brücke, deren erste Bögen auf Heinrich Schickhardt zurück gehen. 1603!!






Das ist Schickhardts Zeichnung, und der Obelisk ist heute auch noch da. Damals war das die Stelle wo der Brückenzoll erhoben wurde.
Gleich hinter der Brücke, eine gewaltige Baustelle. Keinerlei Hinweise für eine Radfahrumleitung. Kein Weg mehr am Neckar, keine Straße, kein Radweg neben der Straße. Aber ich sehe doch Radfahrer, die mir entgegen kommen. Da ist ja eine Lücke in der Absperrung. Jemand hat die Schranke etwas aufgeschoben. Gut, dass heute Samstag ist. Es wird nicht gearbeitet. Die Straße ist befahrbar, bis zur Stelle wo noch einmal Barrikaden kommen. Und wieder kommen Radfahrer über die Baustelle. Wieder muss man die Lücke finden. Inzwischen haben sich auf meiner Seite 4 andere RadlerInnen zusammen getan und versuchen herauszufinden, wie man durch die Baustelle kommt. Es klappt!
Ab Zizishausen ist der Radweg wieder da!
Um 15:00 Uhr bin ich in Nürtingen. Einmal mehr Hölderlin. 
Die Hölder - lins (sie haben einen Holunder - Holder im Familienwappen) sind seit dem 16.Jahrhundert in Nürtigen nachgewiesen. Nach dem Tod von Hölderlins Vater zieht seine Mutter zurück nach Nürtingen, mit ihr der 4 jährige Friedrich, der hier in die Lateinschule geht. Klar, dass auch Nürtingen das 250jährige feiern möchte. Im Stadtmuseum ist eine Hölderlin-Ausstellung. "War interessant!"
Ich erspare Euch heute weitere historisch/literarische Exkurse. 

Schwager Werner, hat mir einen tollen Tipp gegeben. Das Gedicht des Tages, heute sind es sogar 2, einmal nicht zum lesen, sondern zum Hören. Die Gruppe Grenzgänger aus Duisburg, gibt es schon seit sicher 30 Jahren,  hat eine tolle Hölderlin CD eingespielt. Müsst Ihr Euch anhören:


und

So kam ich unter die Deutschen


Das zweite Lied sind Auszüge aus "Hyperion". Aber wie gesagt. Heute keine weiteren Hölderlin-Exkurse. Hört einfach mal rein. Mir haben die Grenzgänger gefallen. Einfach auf den Titel gehen und das Link öffnen.





Nürtingens Altstadt hat schöne Ecken, an denen ich viele, viele Jahre einfach vorbei gefahren bin. Der Versuch ein Stadtfest unter Coronabedingugen zu veranstalten, ist sicher lobenswert, und hätte sich auch meiner Unterstützung sicher sein können. Doch ganz ehrlich, die uzzn uzzn uzzn Musik der Techno-DJs vor der Stadthalle hat mich nicht wirklich vom Hocker gerissen. 
Also genug für heute. Ein kleiner Nachtrag noch zu gestern. Meine Frage zu meinen Lieblingswörtern  des Schwäbischen hat "Unbekannt" gestern noch so beantwortet:

"Glufe bzw. Glufamichel....
Eine Glufe ist eine Steck-oder Sicherheitsnadel..
und ein Glufamichel ist ein Art Pfennigfuchser
Also ein pedantischer und recht kleinlicher Mensch. Ist ein Schimpfwort. Man kann ihn eigentlich nicht so richtig leiden.
Ein Glufamichel bückt sich z.B.... um eine gefundene, alte und relativ wertlose Nadel vom Boden aufzuheben und diese in seiner "Klufaschachtel" aufzubewahren. Ma kennt se ja amol braucha..."

Außerdem wurde ich darauf hingewiesen, dass ein Muggaseggele eigentlich nicht wirklich ein Schimpfwort ist. Es ist einfach die Bezeichnung für etwas sehr kleines, für Norddeutsche: "das Geschlechtsorgan einer männlichen Mücke". Danke für den Hinweis, das ist völlig richtig. 
Also hier ist mein drittes Lieblingsschimpfwort: "Du Hamballe"!
Vielleicht  kann "Unbekannt" mir zu diesem schönen Wort auch die Erklärung liefern!

Also bis Morgen! Tübingen, sowohl für Euren Blogger, wie auch für Hölderlin eine wichtige Station. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen