Auf jeder Reise muss es auch mal einen Tag geben, an dem es nicht ganz so rund läuft. Heute war es der Tag dieser Reise (und hoffentlich bleibt es der einzige)
Recht lauschig, meine Unterkunft in Marbach, übrigens die erste vollautomatische dieser Reise. Ohne Personenkontakt. Telefonnummer an der Tür. Man bekommt den Code für das Schlüsselkästchen durchgegeben. Das war´s. Am nächsten Morgen einfach die Tür hinter sich zuziehen.
Leider gab es keine Fahrradunterbringung.
Ich hole mein Radel unter der Treppe hervor. Ein Platten. DAS HINTERRAD! Ok, nicht weit entfernt ist ein Radgeschäft. Vielleicht bleibt mir das glück ja hold. Nein, dieses Mal nicht. Das Geschäft hat Öffnungszeiten wie ein Emmentaler. Montags nein, Dienst Vormittag, Mittwoch nein, Donnerstag Nachmittag. .. Mist aber auch.
Eine Dame meinte, unten am Radweg seine eine Radbox mit allen Werkzeugen und Luft. Das wäre immerhin eine Hilfe, ich spaziere hinter zum Fluss... ist doch ein längerer Spaziergang. Die Box finde ich nicht. Also dann mal auspacken. Werkzeug raus, Ersatzschlauch. Klappt erstaunlich gut. Nur mit der kleinen Pumpe bekomme ich den Schlauch nicht wirklich prall. UND! Die Hinterradbremse, die man aushaken muss, um das Rad wieder einzusetzen, bekomme ich nicht wieder eingehakt.
Außerdem habe ich ein wenig ein mulmiges Gefühl, ob der Schlauch wirklich passt. Der ist noch von der Pannenetappe in England, wo ich meine ganzen Vorräte aufgebraucht habe. Wäre dem Engländer wirklich zuzutrauen, dass seine Zollbezeichnung nicht mit der kontinentalen übereinstimmt. Aber ich kann wenigstens weiterfahren. Vorsichtshalber schaue ich nach, wo der nächste Fahrradladen ist.
In Ludwigsburg. Geht ja noch.
Dummerweise übersehe ich die Abzweigung nach Ludwigsburg Zentrum und radle an Ludwigsburg ein gut Stück vorbei. Jetzt wird ein Umweg daraus. Und ein unangenehmer. Es geht mehrere Kilometer bergauf. Ich wusste garnicht, dass Ludwigsburg so weit oben liegt.
Aber was soll´s. Doch damit ist der Pech- und Pannentag noch nicht ganz vorbei. Ich fahre 2 Fahrradgeschäfte an. Zu! Mittwoch Ruhetag. Das andere finde ich nicht. Beim 3. ist der Mechaniker schon in der Mittagspause. Ich beknie den Verkäufer mir zu helfen. Ich kenne ja inzwischen das Zauberwort von der ersten Fahrradhandlung: "Reparaturen auf der Straße obliegen nicht der Gewährleistung des Händlers".
Gemeinsam schaffen wir es, den Bremszug wieder einzuhängen. Was den Schlauch anbelangt kann er nichts sagen; mit Druckluft wird der Reifen prall. Zur Sicherheit kaufe ich einen Neuen. Also weiter!
Inzwischen ist es drückend heiß!
Auf "Blühendes Barock" habe ich so etwas von keine Lust mehr und die Aktionswoche "Sandburgenkunst im Schloss" geht mir auch völlig am Wertesten vorbei.
Nichts wie raus aus Ludwigsburg:
Verdammt, es geht ja immer noch nach oben!!!
Irgendwann rausche ich wirklich runter, Richtung Remseck! Es ist inzwischen 13:00 und mein Hals ist trocken. Zum Glück hat ein Hofladen eine leckere selbstgemachte Limonade. Genau richtig. Und Weiter abbi!
Das ist das Remseck. Links fließt der Neckar weiter, von rechts kommt die Rems rein.
Jetzt beginnt der ruhigere Teil des Tages. Kaum zu glauben, dass ich mich etwa 15 km von Stuttgart entfernt durch einen richtigen kleinen Urwald bewege. Der Unterlauf der Rems windet sich durch ein enges Tal. Dementsprechend muss ich einige Male den Uferbereich verlassen. Das kennen wir ja schon, ist aber auf Dauer anstrengend.
Das Remstal war anscheinend Teil der Landesgartenschau. Deshalb allenthalben Infotafeln, Spielgeräte und Kunst, manchmal wäre weniger mehr.
Irgendwann tauchen künstlerisch gestaltete Buchstaben auf. Nachdem ich Remstal abgefahren habe, hoffe ich, dass es jetzt gut ist.
Dann kommt
Was jetzt noch? Aha! Quellen! Nachdem N hoffe ich, dass es nicht mit Radweg weitergeht, das wären dann noch mal anderthalb Kilometer gewesen.
Versteht mich nicht falsch, nichts gegen Kunst. Aber das Remstal hat es einfach nicht nötig aufgehübscht zu werden. Einfach in Ruhe lassen! Kunst fehlt andernorts dringender!
Ganz langsam weitet sich das Remstal, zunächst nur vorsichtig. Aber die ersten Weinberge wagen sich schon bis ans Ufer. Das sind ganz alte Hänge.
Ab Waiblingen rücken die Hänge weiter in die Ferne. Hier wird der "Remstäler" produziert und zwar in größeren Mengen.
Es wird immer drückender. Dunkle Wolken hinter mir. Und der Wind zum Glück auch. Ich reite Mal wieder vor dem Gewitter daher.
Und tatsächlich komme ich trocken in Schorndorf an. Das Gewitter zieht auch weiter.
Schorndorf ist ein nettes Städtchen, hätte ich nicht erwartet. Viele Cafés viele Wirtschaften. Kaum noch Geschäfte für den täglichen Gebrauch.
Das Gottlieb Daimler-Haus ist schnell gefunden.
Und hat auf. Eintritt frei. Schöne Modelle der ersten "Selbstfahrer".
Die Kirche ist von außen auch beeindruckend. Von Innen komplett protestantisch leergeräumt.
So Ihr Lieben! Heute fällt der Tagesbericht etwas knapper aus. Ich bin froh, dass ich trotz aller Umstände in Schorndorf gelandet bin und hoffe, dass mein liebes Rad, das heute übrigens mal mit aufs Zimmer durfte, Morgen noch volle Reifen hat.
Morgen muss ich übern Berg! In die "alte Heimat", da bin ich mal gespannt. Im Gasthaus zur "Harmonie" wo ich gegessen habe, gab es
Kaiser Bier aus Geislingen. So sieht "heimkommen" aus!
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