Es hat durchaus seine Vorteile, wenn man in einer "Schuhschachtel" nächtigt. Man ist relativ schnell auf der Piste. Die Pension Gino, wieder ein "Selbsteinchecker" über einem italienischen Restaurant, war sehr günstig. Das ist das Beste was man über diese Unterkunft sagen kann, und dass das Essen wirklich hervorragend war. Leider scheint die Belegschaft aus starken Rauchern bestanden zu haben, die den Abend im Hinterhof ausklingen ließen. Darunter eine "italienische Nonna" mit einem Organ, das einen Hamburger Aalhändler vor Neid hätte erblassen lassen. Ich habe natürlich nicht verstanden, was sie so wichtiges zu erzählen hatte, - aber sie war laut, sehr laut. Irgendwann höre ich jemand kurz auf Deutsch sagen, vermutlich dass Nonna es nicht versteht, "Sie säuft aber jeden Tag mehr!" Schien mir auch so!
Wie gesagt, da mich eigentlich überhaupt nichts bei "Gino" hielt, bin ich schon um Viertel nach Acht unterwegs. Wolkenloser Himmel, aber kalt.
Es soll einer der schönsten Streckenabschnitte der Neckarroute werden. Eigentlich nur eine Halbetappe, knapp 30 km. Ich will mir Zeit für Tübingen und die Tübinger Freunde lassen.
Friederike, du wärst "ausgeflippt"! Ein Badesee am Anderen, Einer schönder als der Andere. Gut bis Kirchentellinsfurt wäre es selbst dir noch zu kalt gewesen!
Am Beutwangsee hat mich ein ganz besonderes Spektakel erwartet.
Ein wirklich schöner See. Auf der anderen Seite, eine größere Menschenmenge. Hä? Ein Konzert? Da singt doch jemand zur Gitarre. Ich steige ab. "Alles Neu, Alles Neu, Alles Neu --- macht Jesus!
Alles Neu..." Ok, ein Gottesdienst!" Nach dem Lied vom "Alles Neu", geht jemand ans Mikrofon:
"....und ich freue mich ganz besonders, dass es dieses Jahr 8 Täuflingen sind die sich für den Herrn entschieden haben...." Oh my God!
Unter dem Baum sitzen weiß gekleidete Täuflinge! Erwachsenentaufe, Immersionstaufe, d.h. Ganzkörper und 3x untertauchen. Ich vermute mal, eine Freikirche. Aber leider konnte ich nicht alles verstehen. Und Euer "rasender Reporter" konnte sich nicht entschließen, um den See herum zu radeln, um die Sache aus der Nähe zu inspizieren. Außerdem - Freikirchen und Corona! Dann doch lieber mit einem See dazwischen.
"Alles Neu, Alles Neu, Alles Neu..." verdammt dieses Lied geht mir nicht mehr aus dem Kopf! Das ist ja fast noch schlimmer als damals das brainwashing bei Heinicken, auf der Rhein/Hollandtour.
"Alles Neu, Alles Neu.... Schluss jetzt.
Aber es war wirklich eine ausnehmend schöne Strecke. Je näher ich Tübingen komme desto vertrauter wird mir das Neckartal. Was nicht heißen soll, dass es nicht noch Überraschungen geboten hätte.
Dieses Römergrab bei K-furt (der Kenner sagt so zu Kirchentellinsfurt!) habe ich noch nie gesehen, geschweige davon gehört. War wirklich interessant. Die Infotafeln allerdings schon fast zugewachsen.
Das soll der Gatte von Kybele sein, sagt die Tafel. Wieder etwas gelernt!!
Um 11:00 Uhr bin ich schon in Tübingen. Schuhschachtelzimmer haben eben auch ihr Gutes.
Der Neckar, das Schloss, die Stiftskirche. Am rechten Rand vom Schloss kann man sogar den Haspelturm erkennen, zu dem ich jahrelang ins LUI gepilgert bin.
Dass ich durch die Gartenstraße in Tübingen einfahre ist schon witzig. Jahrelang habe ich da jeden Tag versucht, nach der Schule einen Parkplatz zu ergattern. 6 Jahre habe ich nämlich in der Mühlstraße gewohnt. Das ist die Straße, die von der Neckarbrücke hoch zu Wilhelmsstraße geht.
Das ist die Neckarbrücke, Neckarfront und am Ende der Hölderlinturm.
Ich habe mir die Sonderausstellung im Turm natürlich angeschaut, werde Euch aber nicht mehr mit Hölderlin belämmern. Hiermit ist die Gedächtnistour abgeschlossen.
An der Mühlstraße 8 ist erstaunlicherweise noch kein Schild angebracht worden. "Hier wohnte von 1976-1884 Manfred Müller..." und zwar im obersten Stock, von links gezählt, die Fenster 4 und 5.
Die Mühlstraße war damals eine stickinge Durchfahrtsstraße, die Fenster konnte man eigentlich nie aufmachen, gelüftet wurde durch die rückwärtigen Fenster.
Mit meinen Studienfreunden Stefan und Leo habe ich mich im Irish-Pub in der Wilhelmstraße auf einen Kaffee getroffen. Nö, für einen Frühschoppen war es dann doch etwas zu "früh".
Nach 2 Stunden bin ich jetzt wieder auf dem Laufenden, wie es all meinen Studienfreunden ergangen ist. Mit Stefan und Leo habe ich an einigen Projekten gearbeitet u.a. auch am "Anderen Tübingen".
Danach habe ich mich noch ein wenig auf eine Altstadtrunde gemacht.
Die Stiftskirche
mit dem "Geräderten" St. Georg. Jeden Tag bin ich daran vorbei gekommen und es berührt mich heute wie damals immer noch stark!
Dann die Neckargasse runter. Halt!
Hat hier nicht Friederike mal gewohnt. Da gab es doch ein Foto in "Geo" über Tübingen mit Ihr am Schreibtisch - oder so ähnlich!?
War das nicht in der Nähe der Traube??
Und jetzt bin ich in der besten "Pension" Tübingens, mit dem spektakulärsten Ausblick auf den Albtrauf.
Danke liebe Helga, danke Werner, dass Ihr mich heute aufgenommen habt!!
Jetzt mache ich Schluss und helfe kochen!
Doch vorher muss ich noch auf 2 Rückmeldungen eingehen.
Peter, gebürtiger Plochinger, hat mich zu Recht darauf hingewiesen, dass ich gestern falsch gelegen bin, als ich sagte, der Neckar ginge rechts raus. Natürlich Quatsch. Die Fils kommt von links, und der Neckar kommt von rechts. So langsam müsste ich das kapiert haben, dass ich den Neckar aufwärts radle.
Und Werner, meine "Fremdsprachenquelle" hat mir die Erklärung für "Hamballe" geliefert:
"Hamballe ist ...die Bezeichnung für einen zwar liebenswerten, aber törichten Menschen. Die Betonung in der Aussprache liegt auf der ersten Silbe (wie in Hampelmann)". Also Hamballe gleich, Hampelmann, Schussel, Kasper. Danke Werner.
Und Euch noch einen schönen Abend.
Und bis Morgen!
Und doch ein Kommentar: Dass Dr. Manne Müller ein Weltreisender ist, wusst ich schon, aber als Radler auf zig Wegen ... Respekt!! Es war sehr gemütlich mit Dir und Stefan, und btw: mein Sohn wohnte 3 Jahre im selben Haus im 2 Stock - hat mich sehr gefreut. Mit Grüßen Leo
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