Freitag, 19. Juni 2020

5. Tag: Von Höchstädt nach Neuburg Donau



die Karte


Der Tag heute hat alles geboten: schnelle Strecken auf gut asphaltierten Radwegen oder kleinen Straßen, "Berg"etappen die echt fies waren und völlig überraschend auftauchten und Feld-
und Wiesenwege, wo man nicht wusste ob der Weg in einem Gebüsch plötzlich endet.



Bis Donauwörth war ich so glücklich und stolz über meine Geschwindigkeit, meine Beine haben wie von alleine getreten und ich hab den Manne weit zurückgelassen. Das ist immer gefährlich, weil ich leicht ein Schild übersehe oder Albert, unser Navi, eine andere Strecke vorgibt. Doch alles gut, Manne kam gemütlich angeradelt: "Ach herrlich, dieser Rückenwind, schiebt einen grad so vorwärts".Ohhh, also nichts mit Frieda super power Tag!

Und beim Fahren sind mir die tollsten Schilder und Ortsnamen begegnet, z. B. einen Ort namens Schweinspoint oder die Joasenschwaige:


Und bei diesem Verkehrsschild kam ich echt ins grübeln:


Der Fluss unterhält mich immer, und das sehr gut und ich hab doch noch nie bezahlen müssen...oder ist es uns freigestellt, uns am Fluss zu unterhalten? Endlich mal?

Kurz vor Donauwörth haben wir einen analogen Albert gefragt, wie wir am besten durch den Ort durchfahren, er hat uns eine genaue Beschreibung gegeben- die war gut und der Mann war sehr nett- Und er hat betont: Bis Ingolstadt geht's immer auf der linken Flussseite entlang. So sind wir auf dem Grasweg gelandet -siehe oben- und schließlich von den Radwegschildern auf den Berg geschickt worden. Das war nicht lustig! Und hier wurden meine Beine sehr, sehr langsam, oben am Berg muss der Manne immer warten. Das hol ich dann beim runterbrausen wieder auf!

Belohnt wurden wir vom herrlicher Blick von Schloß Leitheim auf die Donauauen:




Und dann, kurz nach Lechsend kam Mannes Lieblingsbank, die Geschichte dazu erzählt er euch am besten selber:


Also gut, jetzt ich:

Ich hatte mir geschworen, so dämlich bin ich nur einmal im Leben! Diese Routen von Bikeline uind Eurovelo 6!!!
Genau auf diesen beiden Bänken saß ich schon 2014 mit einem Radlerpaar, das genauso einen Hals hatte wie ich! Wie kann man einen so den Berg hoch jagen, wenn man - von diesem schönen Rastplatz die ganze wunderbare platte, flache, ebene Ebene vor sich hat. Ich war mir so sicher, hier kommst du nie wieder vorbei!! 
Tja, so kann man sich täuschen. Dabei waren wir eigentlich schon ganz gut rechts der Donau unterwegs...

Aber von Anfang an.

Schon beim Losfahren war es klar. Das wird ein Wettlauf mit dem Regen:

"HeHo, spann den Wagen an, sieh der Wind treibt Regen über´s Land...."

Genau so war es, ein kräftiger Rückenwind schob uns voran, und über/hinter uns die fetten Regenwolken. 


Da kam für Besichtigungen und Kultur nicht so richtig die Stimmung auf!
Es war verrückt.  Es kam uns so vor, als wären wir knapp schneller als der Regen. Jedes Mal, wenn wir auf die Karte schauen mussten, oder nach der 11:00 Banane griffen, fing es an leicht zu nieseln. Wieder auf dem Rad und in die Eisen getreten, - ließ der Regen wieder nach. 
Und wie Friederike schon sagte, wir waren schnell. 
Vor allem vor Donauwörth ist es uns gelungen, die dämlichen Kringel der Bikeline-Route zu vermeiden, in dem wir von einer Schwaige (siehe oben) zur nächsten radelten. Schwaigen waren übrigens, Zehntpflichte Viehhöfe, meist Milchwirtschaft, - und die Höfe heute sind wirklich noch immer stattlich, alleinstehend mitten in den Feldern. 
Ach ja, Bäldleschwaige, ein Eventbauernhof mit Biergarten, Festangeboten und  sonntags Tanz auf der Tenne, hat mich mit seinem Schild: "Hochzeitstadel" - für einige Kilometer zum Grübeln gebracht: "Was gibt es an einer Hochzeit zu tadeln, - werden nach bairischem Brauch das Hochzeitspaar derbleckt? Den Brauch kannte ich noch nicht. Doch dann viel der Groschen: "Hochzeitsstadel". Ein Fugen-s wäre hilfreich gewesen.
Was die Bäldleschwaiger gegen den Nationalpark Donau einzuwenden haben, hätte ich wirklich gerne gewusst. Aber leider war heute Morgen niemand auf dem Hof zu sehen.


Ganz in der Nähe noch ein rätselhaftes Objekt


Sieht wirklich schick aus. Für einen futuristrischen Hochsitz etwas zu hoch! Ein Infocenter vom NaBu, ohne Wegweiser und erkennbaren Weg? Eine moderne Hofkapelle? Sehr ambitioniert! Und für Recherchen auf dem Rad, war, siehe oben nicht die Wetterlage! Übrigens war im oberen senkrechten Abschnitt ein Fenster.

Und dann kam der analoge Albert, der uns riet über die Brücke zu fahren, und auf dem linken Donauufer weiter zu radeln. Mit den von Friederike beschriebenen Folgen!
Dabei hat unserer digitaler "Albert", - der Navi-Albert uns schon auf einen Weg rechts der Donau gelenkt. Zu dumm, dass wir umgedreht haben.

Nach der Bergetappe droht eine weitere Falle, noch ein Steilstück, wenn man nicht aufpasst In Stepperg führte der Donauradweg bis vor wenigen Jahren einen Kreuzweg steil den Berg hinauf. Doch dieses Mal war unser Gewährsmann auf dem Laufenden. Inzwischen kann man auf dem Damm topfeben nach Neuburg einradeln.


Kurz vor Neuburg hat es uns der Regen dann doch noch erwischt. Aber auf dem letzten Kilometer wollten wir nicht mehr das Regengeraffel rausholen. Also Augen zu und durch.

Das Sightseeingprogramm in Neuburg musste regenbedingt auch  gekürzt werden, denn als der Regen aufhört ist es schon fast 18:00 Uhr. 
Aber für einen ersten Eindruck hat es gereicht.


Die Burg ist beeindruckend, doch machte um 18:00 Uhr zu. 
Sitz der Linie Pfalz-Neuburg, die irgendwann ihren Sitz nach Heidelberg verlegt haben.


  

Das  ist das Pfalzgrafenpaar Ottheinrich und Gemahlin. Bei Dr. Who würden sie ein nettes Alienpaar abgeben.

Am spannendsten fand ich die Hofkirche. Nicht, dass sie ein Highlight der Architekturgeschichte wäre, da hat jemand den Bauplan der Jesuitenkirche in München abgekupfert.
Richtig spannend ist die Hofkirche für mich deshalb, weil hier der Ottheinrich der Protestant war eine eindeutig protestantische Kirche hat hinsetzen lassen, die dann von einem seiner wieder katholisch gewordenen Nachfahren mit dem gesamten Bildprogramm der Gegenreformation überzogen hat.

Von Aussen schnörkellos evangelisch


Und Innen eine Orgie in Blattgold. Man beachte, die Fenster der Fürstenloge über dem Altarraum. Fürstens waren dem Himmel immer ein Stück näher als das gemeine Volk.
Und zum Programm der Gegenreformation gehörte es natürlich, dass man sich wieder mit Reliquien eindeckte. Nicht ganz einfach.
Als Schmuckstück konnte man eine kleine Madonna "Unserer lieben Frau von Foy" ergattern, genau genommen keine Reliquie aber schon in Belgien sehr erfolgreich als Wunderheilerin. Dann offensichtlich doch einiges an Knochen. Ein Seitenaltar hat offensichtlich 5 Schädelreliquien, leider konnte ich null und nixen über diesen Seitenaltar herausbekommen. Vielleicht ist den katholischen Nachfahren die Sache doch etwas peinlich.


Übers Nadelöhr sind wir dann wieder zurück zum Pfafflinger Hof unserer heutigen Unterkunft am Schrannenplatz. Sehr nett. Das Essen gut, aber deftig. Jetzt wäre es mir, nach dem langen Blog und meinen üppig ausgefallenen Spareribs, nach einem Schnaps. 
Also Habediehre! Und Pfiatseich bis Morgen!


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