Donnerstag, 18. Juni 2020

4.Tag: Von Blaustein nach Höchstädt



die Karte

Nach einer sehr "geruhsamen Nacht" scheint die Sonne durch´s Dachfenster ins Bett. Also nichts wie raus aus den Federn!
Aber dann hat es doch etwas länger gedauert, bis wir wieder auf der Piste waren. Das Frühstück war einfach zu lecker!


Das  beste Bred&Breakfast weit und breit! Keine Angst, Carlheinz, wir werden Deine Adresse, trotz 10,0  nicht weiter verraten.
Bis Ulm ein ein wunderschöner Radweg entlang der Blau. Doch dann demonstriert "Albert" wieder seine bekannte Innenstadtschwäche. Wir schaffen es nicht den nächsten Weg zum Donauradweg zu finden. 
Nicht dass wir in Ulm auf Sightseeing aus gewesen wären. Aber nicht ein Bild vom Ulmer Münster! Nicht ein Bild von der Ulmer Schranne, in der ich mich besser auskenne als in sonst einem Gebäude, schließlich habe ich 8 Jahre mit den Teuerungstumulten vom 1.5.1847 ebenda beschäftigt! Nein, Albert lenkte uns um die Altstadt herum. Mit Mühen und einem ortskundigen Führer (Schande über mich) sind wir beim Donau-Center endlich am Ufer der Donau gelandet.


Auf meiner ersten Donaureise bin ich am rechten Donau-Ufer aus Ulm raus gefahren, dieses Mal auf dem Linken. Auch gut. Aber um Elchingen herum, doch eher Bundesstraße begleitende Radwege von Donau keine Spur. Aber dieses Mal haben wir nicht blind auf Bikeline und Euro Velo 6 Schilder vertraut. Und nach einigen Kilometern in den "Feldern" haben wir dann endlich den wunderschönen Dammradweg gefunden, der ab Weißingen in den Auwäldern oder am linken Donauufer entlang verläuft. Nicht geteert aber unbedingt empfehlenswert.


Ein Genuss! Und die dunklen Gewitterwolken sind links abgebogen, - oder wir waren so schnell, dass wir ihnen entkommen sind.


Auf diesem Abschnitt hat die Donau ihren eigenen Rhythmus. Vor den Staustufen wird sie breit und ein Paradies für Vögel, hinter den Staustufen rücken die Auwälder wieder näher an den schneller fließenden Fluss heran.



Die Schilder, die alle 200 m die genaue Entfernung zur Donaumündung in Kilometern angeben, lassen erahnen, welch gewaltige Strecke das ist. Allerdings habe ich auf diesem Abschnitt noch nie ein Schiff gesehen, dem diese Information etwas bedeutet hätte.

Günzburg lassen wir "rechts" liegen. Nein, Bikeline, du hast mich einmal in die Hügel geschickt. Nicht ein zweites Mal! Und auch Offingen und Gundelfingen konnte uns nicht von dem fantastischen Dammweg weglocken. Erst vor Lauingen kommen wir wieder in die Zivilisation und in Falmingen die absolute Überraschung - in einem stinknormalen Wohngebiet.


Ein römischer Apollo-Tempel. Ist das nicht irre!


Und super rekonstruiert! Das hat mich schon 2014 begeistert.

Aber nicht, dass sich Friederike beschwert, sie habe nichts mehr zu erzählen, breche ich hier ab.

Aber vorher noch 2 Sachen. Ich hatte ja auf der Auftaktseite versprochen (gedroht?) ab und an ein Gedicht zur Tour in den Blog zu legen, alla gut:

1, Gestern, das hatte ich fast vergessen habe ich - einigermaßen vergeblich versucht,  Friederike in die Geheimnisse des wunderbaren Schwäbischen Dialekts einzuweihen:

"S´leit a Kletzle Blei glei bei Blaubeira
Glei bei Baubeira leit a Kletzle blei"

Ok! Das  ist eher ein Zungenbrecher.
Also das Gedicht des Tages zu Ulm:

Der Schneider von Ulm
(Ulm 1592)
Bischof, ich kann fliegen
Sagte der Schneider zum Bischof.
Paß auf, wie ich’s mach!
Und der stieg mit so ’nen Dingen
Die aussahn wie Schwingen
Auf das große, große Kirchendach.
Der Bischof ging weiter.
Das sind lauter so Lügen
Der Mensch ist kein Vogel
Es wird nie ein Mensch fliegen
Sagte der Bischof zum Schneider.
Der Schneider ist verschieden
Sagten die Leute dem Bischof.
Es war eine Hatz.
Seine Flügel sind zerspellet
Und er liegt zerschellet
Auf dem harten, harten Kirchenplatz.
Die Glocken sollen läuten
Es waren nichts als Lügen
Der Mensch ist kein Vogel
Es wird nie ein Mensch fliegen
Sagte der Bischof den Leuten.

(Bertolt Brecht)

Und jetzt Du Friederike:
also gestern hab ich mich sehr bemüht mit dem schwäbischen Zungenbrecher, ach herrjeh, ohne großen Erfolg und heute hab ich ein Kratzen im Hals vor lauter gequetschten Vokalen. "Nach unten drucken" hieß es immer.
Ein richtig schöner Radeltag war`s heute und ich will noch ein paar Fotos beisteuern:
Manne plant das Weiterfahren:



Diese Blesshuhneltern sind total im Streß, denn die Jungen sind schon sehr neugierig und wollen ins Wasser. Einer der Vögel bringt immer wieder lange Zweige und gemeinsam versuchen die Alten eine 
Art Kindersicherung zu installieren. Die Donauströmung sieht recht stark aus.


Ja, und ich war leider immer noch nicht schwimmen. mein kurzes Bad im Goldfischteich gestern zählt ja wohl nicht.


Wir fuhren eine lange Zeit an Wiesen mit  Riesenbärenklau vorbei, die waren mannshoch, da scheint jeder Kampf verloren. Auch ein Waldstück mit Warnung vor dem Eichenprozeßspinner haben wir durchquert. Eigentlich war sogar ein Durchfahrverbot, aber wir hatten auf den Umweg keine Lust. Als Vorsichtsmaßnahme fiel uns der Mundschutz ein,- da war doch was mit Atemwegsreizung und Allergien wegen den feinen Härchen, oder? Und so sind wir mit Corona Maske durch den einsamen Wald gefahren, sah bescheuert aus. Den Spinner haben wir nicht gesehen, aber definitiv auch nichts mit Corona infiziert.

Ein bisschen maulfaul sind die Leute hier, wenn man sich auf den Radwegen begegnet. Kaum ein Lächeln, selten ein Gruß, mal ein " da unten ist der Radweg", wenn man ein Stück auf dem Bürgersteig fährt oder "hier ist Baustelle, da geht's nicht weiter, einmal links, dann wieder rechts" ohne Einleitung und Abschiedsgruß. Ja danke.

In Höchstädt gibt es eine Kirche, die gerade renoviert wird , einen offensichtlich beliebten Metzger , 


und nein, wir haben die Wurst nicht probiert, schade schade, der Laden war zu.

Aber auf dem hübschen Marktplatz beim Griechen haben wir super lecker gegessen. Und da saßen lauter nette Leute!


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen