Der "Goldene Ochse" zu Aschaffenburg ist eine richtige Radlerunterkunft. Im Hof steht mehr als ein Dutzend Räder. Im Frühstückraum geht es ungewöhnlich laut zu. Eine größere Gruppe älterer Radlerfreunde haben es schon wichtig! Wer will sich denn um Gottes Willen in Aller Hergottsfrühe (kurz vor Neun!!) originelle Kommentare über den Mundschutz, Corona, die Ausländer, die Scharia, das Kastenwesen in Indien, die Todesstrafe bei Kuh Überfahren, Kindergeld ins Ausland, den Koran... anhören. Dummerweise, war die Gruppe vor uns in den Frühstücksraum eingefallen, so dass wir nicht nur eendloos lang ihr sockendoofes Geschwätz anhören mussten, sondern auch ewig auf unseren Kaffee warten mussten. Wie häufig auf der Reise in Zeiten von Corona, haben wir am Abend unsere Frühstückswünsche abgeben müssen, die dann von einem Kellner an den Tisch gebracht werden. Im Prinzip gar nicht schlecht, es sei denn alle Gäste treffen gleichzeitig zum Frühstück ein.
Beim Aufsatteln an den Fahrradständern kommen dann doch noch ganz nette Gespräche auf.
Eigentlich istdas Wetter beim Losfahren gar nicht so übel. Aber mit der Zeit wird der Wind immer heftiger und die Temperaturen sinken.
Wolken rauschen im Tiefflug mal von der Seite, mal über uns hinweg. Es sieht nach Regen aus. Aber wir kommen trocken bis Frankfurt. Aber heute kommt die Softshell zum Einsatz.
Die Angler sind heute der Meinung, dass es gutes Angelwetter sei, zumindest habe ich das Gefühl, für einen normalen Werktag viele am Ufer sitzen zu sehen. Den Infotafeln nach zu urteilen, scheint es sich zu lohnen.
Seligenstadt. Hier wäre die Elf-Uhr-Banane fällig. Leider konnten wir beim Rausfahren aus Aschaffenburg keinen Laden finden. Also macht sich Friederike hier in diesem schönen Städtchen auf Bananensuche.
Ich schau mir derweilen, die beeindruckende Kirche an.
St. Peter und Marcellinus eine mir völlig neue Kombi. Doch trotz des beeindruckenden Alters mancher Bauteile, hat mich die Kirch eher kalt gelassen, erstaunt dagegen eher, dass der gute Peter, hier im Bild, mit Exorzist und Märtyrer tituliert wird. Muss die Kirche heute noch mit Serviceleistungen dieser Un-Art Werbung machen?
Ich bin schnell fertig mit meiner Kirchenerkundung. Friederike braucht deutlich länger für ihre Jagd auf unsere 11 Uhr Banane. Hier ist das Ergebnis:
Trockenobst aus der Satteltasche!
es gab Eiscafés, Bäckereien, Cafés oder Restaurants, aber kein einziges Lebensmittelgeschäft:
Wir müssen tatsächlich auf unsere Notvorräte zurückgreifen.
Trotz wechselnder Windverhältnisse kommen wir ganz gut voran, Es ist noch nicht 14:00 da haben wir schon das Stadtgebiet von Frankfurt erreicht.
Ich hätte nicht gedacht, dass wir so lange im Grünen in die Stadt einrollen. Zumal wir ja quasi ab Hanau in der Metropolenregion rumradeln.
Aber dann landen wir doch in der "Zivilisation"
Na ja, kann man auch anders sehen.
Wenige Minuten später erreichen wir unser heutiges Hotel "Diplomat".
Jetzt bist du dran Frieda:
Frieda: das ist das Hotel von außen, sieht ein bisschen wie ein Studentenwohnheim aus, naja....
Manne kommt wieder raus, Barzahlung ist verlangt, okay...wir zahlen.
Wir satteln ab, fahren die Fahrräder in den Hinterhof, und stellen sie zu all den Fahrradwracks, die hier lagern, ohne Hinterreifen, mit Platten, ohne Sattel.... So ganz wohl ist uns nicht.
Aus den Erdgeschoßzimmern dampfen Essengerüche und manch ein neugieriges Gesicht läßt sich sehen. Das sind Familien, die sicher dauerhaft hier wohnen. Der sehr freundliche Mann- ein Iraner (?) an der Rezeption verspricht gut auf unsere Räder aufzupassen.
Unser Mut sinkt, der Fahrstuhl bringt uns in den sechsten Stock, es riecht streng. Das Zimmer ist bemüht sauber, weiße Laken auf ca. 80 cm breiten Liegen, aber es riecht... okay, das geht nicht. Egal was jetzt passiert, egal wie peinlich das wird... wir gehen.
Unten angekommen, voll das schlechte Gewissen, wir entschuldigen uns, sind auf verhandeln gefasst. Aber der nette Mann lächelt, sagt er hätte sich das gleich gedacht. Das passt nicht, er wollte was sagen, aber sein deutscher Kollege stand daneben. Und er hat uns noch gar nicht richtig eingetragen, hat gedacht, wenn die (also wir) nach einer halben Stunde nicht wieder runterkommen, dann erledigt er die Formalitäten. Geld zurück, kleine Bearbeitungsgebühr, eine Hotelempfehlung in der Nähe. Leider hat das nicht geklappt lieber Mann, denn das wird grad renoviert.
Aber wir haben im Gutleutviertel etwas sehr nettes gefunden, sogar mit Balkon und Blick über die Dächer.
Im Telefonbuch von Frankfurt haben wir -eher spaßeshalber-nach dem Namen einer Freundin aus alten Zeiten gesucht. Wer hat schon noch einen Festnetzanschluß, und wer läßt sich noch eintragen. Aber wir haben sie gefunden und es war die richtige C.S.
Und so haben wir einen sehr netten Abend in einer urigen Äpelwoikneipe verbracht, und von alten und neuen Zeiten geredet und über all das was in den mindestens 25 Jahren passiert ist.
Im Eichkatzel
Auch eine kleine Stadtführung per Fahrrad war inklusive. Dankeschön, das war ein schöner Abend.
Gute Nacht und morgen schauen wir uns Frankfurt richtig an.
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