Donnerstag, 25. Juni 2020

11.Tag: Von Bamberg nach Schweinfurt

die Karte

Gestern Abend war für mich schon Halbzeit-oje geht das schnell rum- und da hatten wir genau 584 km auf dem Tacho und in den Beinen. Die Radwege hier sind gut ausgebaut und ausgeschildert und es ist topfeben. Da kommt man schon gut voran.
Heute gab's beim Bäcker Frühstück und ich habe Bamberger Hörnchen "Hörnla"(Uraltes Originalrezept) gegessen, sehr lecker, ein bisschen wie Croissant aber nicht so fettig. Und die Bedienung hat mir erzählt, dass es auch eine Kartoffelsorte gibt, die auch Bamberger Hörnla heißt. Und das war mal die Millionenfrage beim Günther Jauch, der Kandidat hat es tatsächlich gewusst. 

Heute gab es die perfekte Badestelle am Main, eine Pausenstelle für Wasserwanderer, bequemer Einstieg, herrliches Wasser, gerade so viel Strömung, dass man mit kräftigen Schwimmzügen ganz langsam stromaufwärts kam. Das war kurz vor Schweinfurt.


Den Main fand ich sonst eher etwas langweilig - jetzt nicht mehr, sorry lieber Main! -und ich hatte schon den ganzen Tag nach einer passenden Stelle gesucht. Zu flach, zu große Steine am Ufer, zu schilfig und oft zu weit weg.
Wir sind über das Landesgartenschaugelände aus Bamberg  hinaus gefahren, ein netter Radfahrer hat uns diesen Tipp gegeben. Unterwegs haben wir immer wieder nach der angekündigten Holzbrücke gefragt, denn diese Gelände ist eine Halbinsel. Alle Frühspazierer, Jogger, junge Mütter mit Kinderwagen waren freundlich und auskunftsbereit. Bis wir auf diesen alten Mann mit dem kläffenden Hund gestoßen sind, der uns keine Auskunft geben wollte, der sagte Fahrradfahren sei im Gelände verboten, das kostet 50 €, und wir seien ein Verkehrsmittel und müssten sofort auf die Strasse. Der Hund hat dabei an der Leine gezerrt und wollte uns fressen. 
Puhhhhhh, später dann fielen mir super Antworten ein, aber da haben wir das Weite gesucht. 
Und die Holzbrücke über die Regnitz gefunden.


Das werden wir in den nächsten Tagen abfahren, der Main hat hier schon ca. 200 km hinter sich, war schon in Bayreuth (der rote Main) und Kulmbach (der weiße Main).


Dann ging's sehr lange auf einem guten Radweg entlang einer Bundesstraße, schließlich aber doch runter in die Mainauen und manchmal direkt entlang des Main. Der Main-Radweg führt durch alle  kleinen Städtchen hindurch und an allen Kirchen und Klöstern vorbei. Leider haben wir denWallfahrtsort Maria Limbach nicht besichtigen können, die Kirche war eine einzige Baustelle.

Diese Tafel lässt hoffen, wir kommen jetzt ins Weinland!

Und jetzt darf der Manne von Schweinfurt  und dessen berühmtesten Sohn berichten. Ein Gedicht gibt's auch:

Also gut, jetzt ich:

Ein trüber Morgen, die Beine schwer, es nieselt, im Kopf der Rauch vom Rauchbier vom Schlenkerla. 
Es kam mir gar nicht so stark vor!! Und auf der Speisekarte stand: "Das 2. schmeckt besser als das Erste!" Hat gestimmt. Aber woher kommt dann der "Rauch" im Hirn?

Den Main haben wir in den ersten 2 Stunde nur selten gesehen. Der Radweg an der Bundesstraße 26 langweilig, die Dörfer ausgestorben. Zuerst der Steigerwald, dann die Haßberge. Haßfurt zur Mittagszeit.


Aber langsam klart das Wetter auf. Die Wege bleiben am Main. Genauer gesagt eingeklemmt zwischen Main und Eisenbahn aber wenigstens weg von der Straße. 
Dann Friederikes Badeplatz. Der Tag ist gerettet.


In Schweinfurt steppt auch nicht gerade der Bär. 



Die Stadt macht den Eindruck, als wäre sie im 2. Weltkrieg ziemlich zerstört worden, Charakterlose Fußgängerzonen, mit historischen Einsprengseln. Dann aber auch wieder die eine oder andere Überraschung.


Olympia Flavia Morata, 1526 in Ferrara geboren. Wie in aller Welt kommt Olympia in die Fußgängerzone von Schweinfurt?  Ihr Vater hat mit den Calvinisten geliebäugelt, sie genoss für die damalige Zeit eine hervorragende Bildung und hat  hat den Schweinfurter Humanisten Johannes Sinapius geheiratet.  Gestorben it sie schon 1554,  "vom großen Stadtverderben" getroffen.
Ein Schweinfurter Mädchen-Gymnasium trägt heute ihren Namen.
Und noch ein Denkmal 


Das ist Friedrich Rückert. Er ist auch in Schweinfurt, 1788, geboren. Und ziemlich in Vergessenheit geraten. Dabei war er ein ziemliches Sprachgenie. Er hat den Koran übersetzt, sowie Rumi und andere große Dichter und war lange Zeit als Lyriker sehr geschätzt. Dass Ihm seine Heimatstadt so ein Denkmal gesetzt hat würde ihm gar nicht gefallen haben. 

Seh' ich solch einen ehrnen Mann
Oder aus Stein gehaunen,
Der draußen sich nicht wehren kann
Vor Wind und Wetterlaunen;
Wie ihm der Bart vom Eise starrt,
Und Schnee ihm krönt die Scheitel,
So denk, ich, solch ein Ruhm ist hart,
Und wer ihn wünscht, ist eitel.
Bewahre Gott vor solchem mich,

Ja, Friedrich, man kann es sich nicht aussuchen, was die Nachwelt mit einem macht.
Aber ein kleines Probiererle  zum Abschluss:

Der Jasminstrauch


Grün ist der Jasminenstrauch
abends eingeschlafen.
Als ihn, mit des Morgens Hauch,
Sonnenlichter trafen,
ist er schneeweiss aufgewacht,
»Wie geschah mir in der Nacht?«
Seht, so geht es Bäumen,
die im Frühling träumen!

Friedrich Rückert



Einen schönen Abend noch!




Stadtstrand-Bar am Mainstrand





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