Sonntag, 28. Juni 2020

14.Tag: Von Lohr nach Mondfeld





Die Nacht über hat es geregnet. Nach der drückenden Schwüle des Vortages ist es heute Morgen eher frisch. Aus dem Spessart steigen überall Wolken auf. Der nächste Regen kommt bestimmt. Zum Radfahren ideale Bedingungen. Der Mainradweg seit Würzburg ist absolut topp! Wunderschöne Strecken, nette kleine Orte, seit gestern alle in Rot.  Der rote Mainsandstein ist hier der Hauptbaustein gewesen, egal ob Brücken


oder Burgen oder Kirchen. Alles aus rotem Mainsandstand.


Das war extrem schlechtes timing. So kurz nach dem Frühstück kann ich mir Stecklfisch mit bestem Willen nicht vorstellen. Und es roch doch soooo lecker!!!


Der Kinnschutz hat sich übrigens mehrheitlich in der Maingastronomie durchgesetzt. No hard feelings, ich kann es ja verstehen, den ganzen Tag den Lappen vor dem Gesicht - aber Opa Johann trug seinen Barttrimmer aus anderem Grund. Er wollte seinem Vorbild Wilhelm Zwo ähnlich sehen!!

In Marktheidenfeld eine sehr nette Zufallsbekanntschaft. Im Vorbeifahren, durch einen Torbogen in Marktheidenfeld ein kurzer Blick in einen kleinen Garten. 




Das Stadtgärtlein von Marktheidenfeld ist eine sehr sympathische Freilichtgalerie, mit einer Reihe wirklich sehr gelungener Skulpturen. Besonders die Frauenfiguren von Heide Würtheim haben es mir angetan. Die Körperhaltungen sind so super getroffen, dass es einen Moment beim Vorbeifahren gedauert hat. "Moment mal, was hat hier nicht gestimmt?" Zum Glück haben wir umgedreht!

Der angekündigte Regen um die Mittagszeit kommt nicht. Beziehungsweise der sehr heftige Westwind treibt die Regenwolken von rechts nach links durchs Bild. Je nach Mainwindung, die wir gerade entlangfahren, auch über uns hinweg. Dann wird es unangenehm. Richtig heftiger Gegenwind. Die hohen Halme machen sich flach - ein seeehr schlechtes Zeichen.
Aber bei Homburg findet Friederike eine Bademöglichkeit. Und der Tag ist gerettet.


Das war eine richtige Gegenstromanlage. Friederike konnte kräftig schwimmen, ohne wirklich von der Stelle zu kommen.


Homburg ist auch von der Uferwiese aus schön! Man muss nicht Alles gesehen haben. Zumal auf dem heutigen Touristenprogramm ja noch Wertheim stand! 
Und Wertheim hat wirklich einiges zu bieten.


Die Burg, klar! Und wie gesagt rot. Dass sich hier möglicherweise Wolfram von Eschenbach aufgehalten hat um am "Parzifal" zu arbeiten, halte ich ehrlich gesagt für einen Marketing Gag. Niemand weiß, wann oder wo er was geschrieben hat. Sicher ist nur, dass er ein Lehen von den damaligen Wertheimer Grafen hatte.


Wertheim Stadtrundfahrt auf dem Fahrrad. Das Städtchen gefällt mir gut. 


Ganz besonders der Engelsbrunnen (1575). Die Figuren sind sehr nahe an Charakterpotraits. Der Gesichtsausdruck der Engelszwillinge hat so etwas von überhaupt nichts engelhaftes, das sind zwei ziemlich lebenslustige Jugendliche, die gerade die nächste Dummheit aushecken. Testosteron pur, oder? 

Gleich wen man die Stiftskirche betritt hat man das Gefühl, das ist nicht Fisch noch Fleisch. Eine ehemals Katholische Kirche, dann reformiert und dann bis ins 19.Jh.  in Simultannutzung. Keine der Kirchen konnte ihre Vorstellung  von "Gottes-Haus" realisieren. Die Reformierten konnten die katholische Bilderwelt nicht ganz löschen,  und die Katholische Kirche war in ihrer Prachtenfaltung ausgebremst.
Aber ein Schmankerl fiel mir dennoch ins Auge:


Das Stifterbild unterhalb des linken Seitenaltars ist doch die Wucht! Die hatte 7 Kinder. 5 Töchter und 2 Söhne. Die Söhne sind - "natürlicherweise" - deutlich größer als die Töchter. Was jedoch nicht heißt, dass sie auch die Erstgeborenen sind. Mit Sicherheit sind die ersten 3 der Töchter älter als die Söhne. Wie lange hat die Familie auf den "Stammhalter" gewartet?  Auf jeden Fall recken die beiden Sohnemänner ihr Kinn schon genauso selbstbewußt/überheblich nach oben. "Wir wissen wer hier wichtig ist!"
Aber jetzt ist genug Kirchengedöhns! Frieda, bitte übernehmen!

Frieda: Zuerst mein Bild des Tages:


                                         da läuft mir beim vorbeiradeln das Wasser im Mund zusammen und ich freue mich schon auf heute Abend. So hervorragenden Weißwein wie hier am Main habe ich lange nicht getrunken. Und wir fahren lange an solch herrlichen Ausblicken vorbei.

Der Main zeigt sich immer wieder in all seiner ruhigen Kraft, er gefällt mir immer besser!



Und manchmal wähnt man sich irgendwo ganz anders, im hügeligen Allgäu oder so:



Diese Kühe haben Hunger, zumindest machen sie ein ziemliches Gemuhe. Als wir an den Zaun gekommen sind, haben die Kühe ganz schnell die beiden vorwitzigen Kälbchen nach hinten geschubst, zu gefährlich diese komischen Leute mit Helm und Rad.

Im Stadtgärtlein von Marktheidenfeld war eine ganz besondere Stimmung, und mir hat dieser Teufel mit Panflöte sehr gut gefallen:


Neben der Ruhe war aber auch hier das "moderne Leben": eine Dreiergruppe von Ukrainern mit Bierflaschen, die uns auf dem Radweg schon begegnet sind, haben sich auch dort niedergelassen. Einer der Männer hat am Handy mit Geschäftspartnern verhandelt. Es klang nach diesen Transportgeschäften bei denen die "Anbieter" einen Kleintransporter fahren -damit wochenlang in Europa unterwegs sind- und sich online Transportaufträge abholen. Für Spottpreise, da sie sich gegenseitig unterbieten. Also heute sollte der Mann besser nicht mehr losfahren.

In Wertheim fließt die Tauber in den Main und hier könnte man abbiegen um das "romantische Taubertal" hinaufzuradeln. Und dann kämen wir fast in Limbach vorbei, Geburtsort von M.R., gell!

Nach einem anstrengenden letzten Abschnitt - war's der Eiskaffee in Wertheim und/oder der kräftige Gegenwind? Heute sind meine Beine echt müde- sind wir in Mondfeld angeschnauft. Es gibt hier einen Badesee: den Mondsee. Es wäre ein Stückchen zu laufen, das Wetter ist windig und doch...soll ich oder nicht... und bei diesen Gedanken schlafe ich doch tatsächlich auf dem Hotelbett vom "Weißen Rößl"ein. Tja, schade, aber mir bleibt ja noch das Gläschen Silvaner und irgendwas Deftiges mit Kloß.  


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen