Und es ist Sommer! Die Strecke von Nürnberg nach Bamberg je nach Variante zwischen 66 und 76 km lang. Wir haben die Kürzere, die Kanalroute gewählt. Das war gut so! Ein wunderbares Radeln, auch wenn der Wind nicht immer nur von "5 Uhr" blies, mal kam er auch von 1:00 Uhr. Aber die ganze Strecke topfeben, eher leicht bergab. Wir sind nur so geflogen!
Bis Fürth musssten wir höllisch aufpassen. Wir waren relativ früh dran, die "Berufsradler" haben es meist eilig. "Mist, wieder mal zu spät dran!"
Hinter Erlangen, jetzt entlang des Main/Donau Kanals wird es beschaulicher.
Da mag ich meinen Augen nicht trauen! Kommt da tatsächlich ein Flusskreuzfahrtschiff? Schon, aber das Schiff ist auf Leerfahrt. Wie auch das andere, dem wir eine Staustufe später begegnen.
Und ein bis 2 Frachter waren auch unterwegs. 2 Freizeitboote, das war´s! Das wird auch 2020 keine Erfolgsgeschichte für den Main/Donaukanal.
Sonst gibt es nicht viel zu erzählen. Radeln as usual. 11:00 Uhr Banane, Mittagspause, dann wird Friederike unruhig. Sollte das ein weiterer Tag werden, an dem ich "die Frau nicht zu Wasser lassen kann"? Eine Radlerin mit Badetuch im Korb kennt einen Badeteich, aber kann nicht genug Deutsch. Ein junger Mann, der "in alles springt, was flüssig ist" gibt ein paar Tipps, aber ehe wir es uns versehen sind wir in Bamberg. Jetzt hat sich Friederike auf die Suche nach einem "legendären" Flussbad auf den Weg gemacht und ich habe eine Kurzrunde durch das Weltkulturerbe Bamberg unternommen.
Der Auftakt,
Barock
Sehr Barock
Davon gab es in Nürnberg eher wenig.
Aber der Dom ist natürlich wieder Gotik, mit allem Drum und Dran.
Der Bamberger Reiter natürlich. Wieder mal so ein Reiseführer Superlativ. Erstes Reiterstandbild, usw. muss ich Euch nicht zeigen kennt Ihr.
Der Marienaltar von Veit Stoß ist natürlich grandios. Aber die verschiedenen Grinsebacken sind auch nicht schlecht.
Wobei Ihr mir wieder einmal bei einem Problem helfen müsst.
Das sind die Seligen. Ganz klar! So grinst man beim Jubililieren! Luja, sog I!
Aber was hat diese Truppe zu grinsen?
Die werden doch eindeutig, in Ketten, von Dämonen in die Unterwelt gezerrt, was gibt es da zu Lachen? Oder sind die Alle auf Droge?
So, ehe wir uns jetzt auf den Weg machen - Abendessen, Rauchbierprobe.
Ein wunderschönes Gedicht zu einer der schönsten Frauenfiguren, die ich kenne:
Am Bamberger Dom
Das steinerne Mädchen
mit den sanften Locken
und dem Kleid das auf der Haut klebt
wie nach einem Platzregen
ist die Synagoge -
Eine Augenbinde trägt sie
weil sie blind sein soll für die Wahrheit -
Dies müsste ein Gedicht werden
über Pogrome und Feueröfen -
Aber leider kann ich nur
an die verstaubte Varieténummer denken
bei der die Hellseherin auf der Bühne
mit verbundenen Augen
alles errät was dieser Sommermorgen
als ihr Assistent mit Lichtfingern
aus meinen Taschen zieht -
eine Rückfahrkarte nach München
einen Caran d’Ache Druckbleistift
7 Euro 38 in kleinen Münzen
und ein begonnenes Liebesgedicht
das sie mit ihrer verhangenen Regenstimme
halblaut vorliest Silbe für Silbe
als wäre es
für sie geschrieben
Das Gedicht von Ludwig Steinherr (*1962) hat es in sich!!
So, jetzt ist Frieda dran!
Halt, noch eins! Was ist der Unterschied zwischen dem Nembercha und dem Bambercha? Der Bambercha ist ein ganz süßer. Ein Eiscafé, eine Konditorei, ein Café am Andern. In Nemberch wäre das alles Rosdbradwerschdla mit Sauagraud Lokale! Macht´s guad!!
Frieda
Immer Mittwochs wird gebadet, mindestens! Letzte Woche mit Sauna bei Carlheinz, diese Woche
nein, nicht in diesem schicken Hotelbad sondern in der Regnitz, schön kühl, sehr viel Strömung, man kann sich ein ganzes Stück abwärts Richtung Stadt treiben lassen. Dann aber schnell raus an der letzten Treppe, denn da kommen die Turbinen. Und den ganzen Weg barfuß zurück, so wie am Rhein in Gailingen.
Für das Hainbad , wunderschönes Fluss-und Schwimmbad hätte ich schon vorab ein Ticket buchen müssen. Um 18 Uhr hätte es für mich noch ein Plätzchen im Fluss gegeben. Da hab ich mich eben zu den Studenten ans steile Flussufer gequetscht, das war eine nette Stimmung aber nicht sehr bequem.
Denn um 18 Uhr hab ich ja schon Rauchbier getrunken und Kesselfleisch mit Sauerkraut in der berühmten Gaststättte Schlenkerla gegessen.
Da war ich vor 8 oder 9 Jahren schonmal mit meinen Freundinnen und wir wollten gar kein Rauchbier trinken. Die Bedienung war genervt und hat uns dann ein Maß Wasser gebracht, "nein Extragläser gibt's nicht!" Zuerst haben wir uns ein bisschen geschämt, dann waren wir sauer auf diese blöde Bedienung und dann haben wir das ganze Wochenende gelacht, wisst ihr noch J.M.H.?
Aber dieses Mal war ich ganz tapfer, und hinterher gab es zur Belohnung noch einen Wein.
Es ist übrigens sogar hier in Bamberg sehr ruhig, was den Tourismus anbelangt. Keine Massen an Bustouristen, die als Großgruppe einem Reiseführerschirmchen hinterherlaufen, sehr wenig Touristen aus anderen Ländern, am ehesten hört man noch spanisch.
Und hier noch ein Bild vom Radltag:
An einem Tag, an dem das Rad einfach so vor sich hinschnurrt und man rasant schnell vorwärts kommt, gibt's doch auch Hindernisse:
Morgen geht's weiter, ich freu mich schon, gute Nacht!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen