Montag, 29. Juni 2020

15. Tag: Von Mondfeld nach Aschaffenburg


Es fing mit einem trüben Morgen an, kühl, graue Wolken, Regenjacke- zur Sicherheit.
Kurze Fahrt an den Main hinunter, um auf die andere Seite überzusetzen.


Diese Fähren sind toll, man kommt an, fährt drauf und dann wird man umgehend rübergefahren, und das für 1 € pro Person. Heute morgen mussten wir allerdings ein bisschen warten, der Motor hat getuckert, aber der Fährenkapitän war nicht da. Er kam aber bald aus einem der nächststehenden Häuser, ganz ohne Hektik und hat uns auch sofort befördert. Ist irgendwie auch kein schlechter Job, den ganzen Tag auf diesem schönen Fluss hin-und herzufahren.
Schon bald hat der Himmel aufgeklart, die ersten schönen Badestellen kamen, aber wir sind gemütlich weitergeradelt. Vor uns knappe 70 km, sehr gute Radwege, kaum Steigung.
Diese Kühe haben den idealen Platz, können jederzeit in die Fluten springen.
"Sie grasen und baden im Main":


Auf der ganzen Strecke sieht man immer wieder kleine rote Burgen und Burgruinen im grünen Wald.


Auf unserer rechten Seite ist jetzt der Spessart, auf der linken der Odenwald. Es muss auch wunderschön sein, hier zu wandern.

Anlegestellen für Kanus und kleine Schiffe, Dauercampingplätze, gemütliche Wein und Bierlokale, hübsche rote Häuser, Aber es ist absolut nichts los: Montagmorgen, keine Schulferien.
Auch die Achterbahn mitten über den Radweg stellt sich als Sandabbau und -transport heraus.


Der Kilometerzähler rattert nur so,... bis Miltenberg. 
Und da rattert plötzlich mein Hinterrad und humpelt mühsam über das Kopfsteinpflaster: !!!Nein, ich hab einen Platten! Das erste Mal auf meinen inzwischen 5 Radtouren. So richtig platt ist er noch nicht, vielleicht hilft aufpumpen? Da wir praktisch vor einem Reifendiscount stehen, versuchen wir erstmal da unser Glück. Der Mechaniker ist hilfsbereit, bläst ein bisschen Luft hinein ....und beschreibt uns dann den Weg zum Fahrradladen. Mist, es ist kurz nach 12 Uhr, der macht doch sicher gleich Mittag. Also Manne voraus, ich zu Fuß hinterher, über die Brücke, alles gerade aus, bis zum Aldi...
Und da wird uns geholfen, ein neuer Schlauch ist fällig und der nette Fahrradhändler verzichtet sogar auf seine Mittagspause. 

Und warum wir das nicht selber machen?
Tja, also ich bin dafür nicht zuständig in unserer Reisegruppe und der Gerätewart kennt sich mit Scheibenbremsen noch nicht aus. Er redet schon die ganze Fahrt von dieser kleinen Gabel, die man unbedingt in die Bremsscheiben klemmen muss, wenn man das Rad herausnimmt. Und wenn man das nicht richtig macht, dann gehen die Scheiben zu und nie mehr auf....naja so ähnlich hat das immer geklungen. Und wir haben diese Gabel auch dabei!
Der Fahrradmechaniker hat sich einen gelacht, als wir ihn danach gefragt haben. "Da passiert nichts, außer wenn Sie bremsen", spottet er und drückt mit voller Kraft die Bremse zu. "haha, da gibt's Leute, die brechen den Urlaub ab, weil sie das Gäbelchen verloren haben".


Letzter Blick auf Miltenberg, jetzt wird es aber Zeit weiterzufahren- und der Manne ist dran:

Jetzt also ich:

Wenn man schon Pech hat, dann muss man einfach Glück haben.  Scheibenbremsenräder habe ich noch nie ausgebaut, aber hat ja Alles super geklappt! 


Kann ich nur weiter empfehlen! Auch wenn die erste Reaktion, des coolen Händlers etwas "ernüchternd" war. Er schaut mich an, schüttelt den Kopf, wackelt mit dem Zeigefinger, "Pedelec?" no way! - "Ey, wir fahren stinknormale Räder!" - Anscheinend hatte er keinen Bock darauf ein Hinterrad eines E-Bikes auszubauen! Nachdem dieses Missverständnis geklärt war, haben wir uns gut verstanden!





Was war sonst noch interessant heute? Die Jenny  das Wissenschaftsschiff hievt gerade ein Auto an Bord. Da kann man durchaus zuschauen. 

"Vom Frachter zum Ausstellungsschiff

Die MS Jenny, so heißt das Schiff, wenn es nicht im Namen der Wissenschaft fährt, wurde 1969 als MS VERA auf der Elfring-Werft in Haren (Ems) gebaut. Nach einem Verkauf in die Niederlande wurde es im Jahr 1987 von Karin und Albrecht Scheubner gekauft. Dem findigen Eigner- und Kapitänsehepaar verdankt sie, dass sie zum Ausstellungs- und Eventschiff umgebaut wurde. Seit 2020 steht Andreas Schüll am Steuer. "

Das wäre auch geklärt. Die Jenny liegt heute Morgen in der Nähe einer Schule. Eigentlich hätte ich gerne mal reingeschaut in dieses Mit-Mach-Museum. Aber wie gesagt, die Jungs waren damit beschäftigt das Auto an Bord zu hiefen.

Nach einigen Fehlversuchen gelang es uns dann doch "Frieda zu Wasser zu lassen" -  Und Alles ward gut!


Seit etwa 2 Tagen singt Friederike ein Lied vor sich hin.

"Auf dem Wege nach Aschaffenburg
brannten plötzlich alle Affen durch
und das war gar nicht fein-
sie sollten in den Zoo, doch kurzerhand,
sind unterwegs sie durchgebrannt.
Seitdem da laufen sie jetzt unerkannt
herum im ganzen Land..."

Erinnert Ihr Euch? Richtig, die Jacob Sisters! 1969.

Aschaffenburg ist für mich eine Überraschung. 


Schon beim Reinfahren beeindruckt die Johannisburg. Aber auch sonst hat Aschaffenburg eine Menge zu bieten. Die Stiftskirche mit dem Grünewald.




Leider ist das Christian Schad Museum derzeit geschlossen, aber es gibt auch so genug zu sehen. 
Und die Biergärten und Straßencafés sind einladend! 

Also lassen wir es für heute gut sein. 
Noch ein Gedicht??
Clemens von Brentano ist in Aschaffenburg gestorben.

Du verstecktes


Du verstecktes
Zugedecktes
Eingeschnecktes
Ausgehecktes
Schwarzgelocktes
Leichtgesocktes
Heiß geminntes
Weis gesinntes
Leis, geschwindes
Spiel des Windes
Sehend blindes
Fein geschnürtes
Bein geziertes
Heiß ersehntes
Leis versöhntes
Gold verwöhntes
Hold verschöntes
Huld gekröntes
Viel geprüftes
Nur verbrieftes
Und vertieftes
Nie verschieftes
All geliebtes
Mir betrübtes
Und geübtes
Viel gereistes
Mehl gespeistes
Seel umkreistes
Nie erzieltes
Nie verspieltes
Leicht gezäumtes
Aufgeräumtes
Mut gebäumtes
Blut durchschäumtes
Glut gesäumtes
Leicht zu Pferdchen
Tiefgelehrtchen
Huldgebärdchen
Treugefährtchen
Unversehrtchen
Harfenistin
Scharfe Christin
Bunt Palettchen
Schlüsselkettchen

 Ist doch abgefahren, oder? Ein Gedicht, knapp 200 Jahre alt!!
Gehabt´s Euch wohl! Bis Morgen!



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