Dienstag, 23. Juni 2020

9.Tag: Ruhetag in Nürnberg



heute keine Karte

Heute gibt es keine Karte: Ruhetag in Nürnberg. Obwohl Ruhe?
Also erstmal muss man Wäsche waschen und irgendwie im Hotelzimmer/bad aufhängen, das Zeug trocknet schnell, aber tropft. Dann "muss" man ausschlafen und als letztes frühstücken. Wir haben ganz süße Frühstücksetageren bekommen, jede*r Gast ein eigenes. 
Und dann "muss" man sightseeing machen und das hat sich heute echt gelohnt. 
Hier der Blick vom Albrecht-Dürerhaus auf die Kaiserburg:


Im Dürerhaus selbst gibt es nicht so viel zu sehen, worauf auch gleich die erste Infotafel hinweist. Dürer hatte keine Nachfolger, das Haus wechselte immer wieder den Besitzer. Leider konnte man das astronomische Observatorium auf der Südseite nicht besichtigen. 
Eine Druckwerkstatt ist zu sehen und ein Atelier, das ein bisschen aussieht wie im Türmle in Mannes Atelier:

...nur ordentlicher und nicht so staubig war es beim Albrecht. (haha!)

Am meisten hat mich die Führung durch die Historischen Felsengänge begeistert. Die wurden als Bierkeller schon im 15. Jahrhundert in den Sandstein gehauen, vier Stockwerke sind es, mit einem genialen Belüftungssystem. Im zweiten Weltkrieg wurde ein teil davon als Luftschutzkeller genützt.



Und heute wird unter anderem der Bierbrand der Hausbrauerei Altstadthof hier gelagert. Und es finden Konzerte, Lesungen und Kunstevents in den Gewölben statt.

Kaffeepause an der Pegnitz, auch ein "Muss":


Und eigentlich gehört zu solch einem sonnigen Ruhetag auch noch Baden, ja Gerda da hast du Recht. Der Sandstrand am Wöhrder See ist hübsch, chillig, aber der See selbst lädt nicht mal mich zum Baden ein. Zu matschig, zu viele Gänse und Tretboote in VW-Käfer-Optik.



Aber so war's auch schön!

Und jetzt ist Manne dran, wir haben nämlich noch viel mehr besichtigt:


Jetzt also ich:

Puh, das wird schwer! Nach einem so erlebnisreichen und intensiven Tag, eine Auswahl zu treffen.
Nürnberg hat einfach eine Menge zu bieten.

Ehe wir uns heute Morgen auf die "Kulturpiste" machten. Zwei Eindrücke aus der Coronazeit:


In unserem Hotel, wie bereits die Tage zuvor gibt es solche und solche Gäste. Die meisten halten sich im Frühstückssaal brav an die Regeln. Dann tapern andere wiederum ohne Gesichtsschutz zwischen Buffet und Tisch hin und her. 

Hoffen wir mal, dass dieses Hochzeitsaccessoires als Scherz gemeint waren!!

Nürnberg war einfach eine unglaublich reiche Stadt. Wo andernorts eine gotische Kathedrale alle Ressourcen über Jahrhunderte aufgebraucht hat, da stehen hier 3-4 Hochkaräter herum. 

Ob Holzschnitzer, Steinmetze oder Tafelmaler die Besten waren gerade mal gut genug. Besonders 2 Kirchen haben miteinander konkurriert. Zum einen St. Lorenz gegen St. Sebald und zwischendrin die Frauenkirche.

St. Lorenz mit


dem genialen Adam Kraft, hier das Selbstbildnis als Stütze der Sakristei. Ein meterhohes Ding!!!
Das ist keine "Selbsterniedrigung". Im Gegenteil. Hier stilisiert sich der Handwerksmeister zur Stütze der gesamten göttlichen Ordnung.

Dann natürlich der berühmte



Veit Stoß mit seinem Engelsgruss. Leider habe ich dieses große Holzarbeit bei dem Gegenlicht nicht besser hinbekommen. 55 Rosen umringen diese Darstellung. 
Und dann noch


dieses unglaublich fein ausgearbeitete Abendmahl. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es aus einem Holzblock herausgearbeitet ist. Fantastisch.

St. Lorenz hatte im Wettbewerb nur einen einzigen aber nicht ganz unwichtigen Nachteil. Sie hatten keine Reliquie ihres Namensgebers zu bieten. Aus verständlichen Gründen. Schließlich ist St. Lorenz verbrannt worden. Da hat es St. Sebald einfacher. Der Eremit ist aus der Gegend von Nürnberg, liegt komplett in dem wunderschönen Schrein, weil ein Ochsengespann den Leichnam ohne menschliches Zutun nach Nürnberg gezogen haben.
In St. Lorenz wurden übrigens für die Eingangstreppen, geplünderte Grabsteine aus dem Jüdischen Friedhof des 14.Jahrhunderts verwendet. Es hat bis in die 70er Jahre des 20.Jh. gedauert, bis diese Treppen entfernt wurden. Die jüdische Gemeinde und die evangelische Kirche haben sich letztendlich die Kosten geteilt, und die Grabsteine  sind heute auf dem Neuen Jüdischen Friedhof.


Der Schrein vom Sebald ist wirklich Spitze. Besonders beeindruckt hat mich, dass er von Schnecken getragen wird. Unglaublich schöne Schnecken:


Was mich jedoch verblüfft hat, ist, dass die Schnecken alle in eine Richtung laufen. Rund um den Sarkophag herum. Was bedeutet, dass sich der Sarg eigentlich nur im Kreis herum bewegen kann. Unendlich langsam zwar, aber immer im Kreis herum. Welche tiefe Weisheit steckt in diesem Arrangement? Dass selbst Heilige nicht so recht von der Stelle kommen? Oder, dass Schnecken nicht das geeignetste Transportmittel in die Ewigkeit sind.
Lasst uns darüber nachdenken.

Überhaupt, die Tier und Dämonendarstellungen an gotischen Kirchen



Oder die Drachen:

Was das Mischwesen links darstellen soll? Keine Ahnung.

Und noch ein Rätsel hat mir Nürnberg mit auf den Weg gegeben.


Wer diese Chimären sein sollen, ist relativ klar. Das sind die 4 Evangelisten, auch wenn man sie nicht so oft als solche Mischwesen darstellte. Die 4 haben Körbe mit "Silbertalern" - so sieht es zumindest aus. Im mittleren Glasfenster ist eine Mühle, in die sie die Silbermünzen hineinschütten.
Jetzt wird es spannend. Was soll uns das sagen? Wird hier Kritik am Mammon geübt? Das wäre ungewöhnlich für eine Stadt wie Nürnberg. "Nürnberger Tand - verkauft im ganzen Land" , steht auf einem der Patrizierhäuser. Ich bin etwas ratlos. Vielleicht können mir etwas bibelfestere Leser weiterhelfen. Ich fand die Glasfenster auf jeden Fall spannend.
Wie gerne Nürnberg seinen Reichtum zur Schau stellte, sieht man am Brunnen auf dem Hauptmarkt und an der Uhr an der Frauenkirche.




Das "Männlelaufen! haben wir irgendwie verpasst, es gab einfach zu viel zu sehen. Die Kaiserpfalz, und.....

Ich habe noch eine ganze Menge toller Bilder von unserem heutigen Streifzug durch Nürnberg. Aber es ist spät geworden und Morgen sollten wir uns zügig auf den Weg machen. Denn es sind wieder über 70 km bis Bamberg, unserem morgigen Ziel. Ein letztes Bild noch:


Die Herrschaften hätten bei jedem Casting für die "Gefährten" von Frodo doch gewonnen, oder!

Eine letzte Weisheit noch für heute


Euch Allen ein geruhsame Nacht! Ich hoffe, Ihr bleibt uns gewogen!

Ach übrigens, Nembercha Rosdbradwischdla haben wir natürlich probiert und dazu ein leckeres Nürnberger Rotbier. 
Friederike behauptet, dass ihr das Nembercha Idiom leichter fallen würde als das Schwäbische wovon sie Halsweh bekäme. Doch davon ein andermal!

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