Dienstag, 30. Juni 2020

16.Tag: Von Aschaffenburg nach Frankfurt



Der "Goldene Ochse" zu Aschaffenburg ist eine richtige Radlerunterkunft. Im Hof steht mehr als ein Dutzend Räder. Im Frühstückraum geht es ungewöhnlich laut zu. Eine größere Gruppe älterer Radlerfreunde haben es schon wichtig! Wer will sich denn um Gottes Willen in Aller Hergottsfrühe (kurz vor Neun!!) originelle Kommentare über den Mundschutz, Corona, die Ausländer, die Scharia, das Kastenwesen in Indien, die Todesstrafe bei Kuh Überfahren, Kindergeld ins Ausland, den Koran... anhören. Dummerweise, war die Gruppe vor uns in den Frühstücksraum eingefallen, so dass wir nicht nur eendloos lang ihr sockendoofes Geschwätz anhören mussten, sondern auch ewig auf unseren Kaffee warten mussten. Wie häufig auf der Reise in Zeiten von Corona, haben wir am Abend unsere Frühstückswünsche abgeben müssen, die dann von einem Kellner an den Tisch gebracht werden. Im Prinzip gar nicht schlecht, es sei denn alle Gäste treffen gleichzeitig zum Frühstück ein.
Beim Aufsatteln an den Fahrradständern kommen dann doch noch ganz nette Gespräche auf.
Eigentlich istdas Wetter beim Losfahren gar nicht so übel. Aber mit der Zeit wird der Wind immer heftiger und die Temperaturen sinken.


Wolken rauschen im Tiefflug mal von der Seite, mal über uns hinweg. Es sieht nach Regen aus. Aber wir kommen trocken bis Frankfurt. Aber heute kommt die Softshell zum Einsatz.


Die Angler sind heute der Meinung, dass es gutes Angelwetter sei, zumindest habe ich das Gefühl, für einen normalen Werktag viele am Ufer sitzen zu sehen. Den Infotafeln nach zu urteilen, scheint es sich zu lohnen.
Seligenstadt. Hier wäre die Elf-Uhr-Banane fällig. Leider konnten wir beim Rausfahren aus Aschaffenburg keinen Laden finden. Also macht sich Friederike hier in diesem schönen Städtchen auf Bananensuche.



Ich schau mir derweilen, die beeindruckende Kirche an. 


St. Peter und Marcellinus eine mir völlig neue Kombi. Doch trotz des beeindruckenden Alters mancher Bauteile, hat mich die Kirch eher kalt gelassen, erstaunt dagegen eher, dass der gute Peter, hier im Bild, mit Exorzist und Märtyrer tituliert wird. Muss die Kirche heute noch mit Serviceleistungen dieser Un-Art Werbung machen?
Ich bin schnell fertig mit meiner Kirchenerkundung. Friederike braucht deutlich länger für ihre Jagd auf unsere 11 Uhr Banane. Hier ist das Ergebnis:

Trockenobst aus der Satteltasche! 
es gab Eiscafés, Bäckereien, Cafés oder Restaurants, aber kein einziges Lebensmittelgeschäft:


Wir müssen tatsächlich auf unsere Notvorräte zurückgreifen.

Trotz wechselnder Windverhältnisse kommen wir ganz gut voran, Es ist noch nicht 14:00 da haben wir schon das Stadtgebiet von Frankfurt erreicht.



Ich hätte nicht gedacht, dass wir so lange im Grünen in die Stadt einrollen. Zumal wir ja quasi ab Hanau in der Metropolenregion rumradeln. 
Aber dann landen wir doch in der "Zivilisation"


Na ja, kann man auch anders sehen.



Wenige Minuten später erreichen wir unser heutiges Hotel "Diplomat".
Jetzt bist du dran Frieda:

Frieda: das ist das Hotel von außen, sieht ein bisschen wie ein Studentenwohnheim aus, naja....
Manne kommt wieder raus, Barzahlung ist verlangt, okay...wir zahlen.


Wir satteln ab, fahren die Fahrräder in den Hinterhof, und stellen sie zu all den Fahrradwracks, die hier lagern, ohne Hinterreifen, mit Platten, ohne Sattel.... So ganz wohl ist uns nicht.
Aus den Erdgeschoßzimmern dampfen Essengerüche und manch ein neugieriges Gesicht läßt sich sehen. Das sind Familien, die sicher dauerhaft hier wohnen. Der sehr freundliche Mann- ein Iraner (?) an der Rezeption verspricht gut auf unsere Räder aufzupassen.
Unser Mut sinkt, der Fahrstuhl bringt uns in den sechsten Stock, es riecht streng. Das Zimmer ist bemüht sauber, weiße Laken auf ca. 80 cm breiten Liegen, aber es riecht... okay, das geht nicht. Egal was jetzt passiert, egal wie peinlich das wird... wir gehen.
Unten angekommen, voll das schlechte Gewissen, wir entschuldigen uns, sind auf verhandeln gefasst. Aber der nette Mann lächelt, sagt er hätte sich das gleich gedacht. Das passt nicht, er wollte was sagen, aber sein deutscher Kollege stand daneben. Und er hat uns noch gar nicht richtig eingetragen, hat gedacht, wenn die (also wir) nach einer halben Stunde nicht wieder runterkommen, dann erledigt er die Formalitäten. Geld zurück, kleine Bearbeitungsgebühr, eine Hotelempfehlung in der Nähe. Leider hat das nicht geklappt lieber Mann, denn das wird grad renoviert.
Aber wir haben im Gutleutviertel etwas sehr nettes gefunden, sogar mit Balkon und Blick über die Dächer.

Im Telefonbuch von Frankfurt haben wir -eher spaßeshalber-nach dem Namen einer Freundin aus alten Zeiten gesucht. Wer hat schon noch einen Festnetzanschluß, und wer läßt sich noch eintragen. Aber wir haben sie gefunden und es war die richtige C.S.
Und so haben wir einen sehr netten Abend in einer urigen Äpelwoikneipe verbracht, und von alten und neuen Zeiten geredet und über all das was in den mindestens 25 Jahren passiert ist.

Im Eichkatzel

Auch eine kleine Stadtführung per Fahrrad war inklusive. Dankeschön, das war ein schöner Abend.




Gute Nacht und morgen schauen wir uns Frankfurt richtig an.

Montag, 29. Juni 2020

15. Tag: Von Mondfeld nach Aschaffenburg


Es fing mit einem trüben Morgen an, kühl, graue Wolken, Regenjacke- zur Sicherheit.
Kurze Fahrt an den Main hinunter, um auf die andere Seite überzusetzen.


Diese Fähren sind toll, man kommt an, fährt drauf und dann wird man umgehend rübergefahren, und das für 1 € pro Person. Heute morgen mussten wir allerdings ein bisschen warten, der Motor hat getuckert, aber der Fährenkapitän war nicht da. Er kam aber bald aus einem der nächststehenden Häuser, ganz ohne Hektik und hat uns auch sofort befördert. Ist irgendwie auch kein schlechter Job, den ganzen Tag auf diesem schönen Fluss hin-und herzufahren.
Schon bald hat der Himmel aufgeklart, die ersten schönen Badestellen kamen, aber wir sind gemütlich weitergeradelt. Vor uns knappe 70 km, sehr gute Radwege, kaum Steigung.
Diese Kühe haben den idealen Platz, können jederzeit in die Fluten springen.
"Sie grasen und baden im Main":


Auf der ganzen Strecke sieht man immer wieder kleine rote Burgen und Burgruinen im grünen Wald.


Auf unserer rechten Seite ist jetzt der Spessart, auf der linken der Odenwald. Es muss auch wunderschön sein, hier zu wandern.

Anlegestellen für Kanus und kleine Schiffe, Dauercampingplätze, gemütliche Wein und Bierlokale, hübsche rote Häuser, Aber es ist absolut nichts los: Montagmorgen, keine Schulferien.
Auch die Achterbahn mitten über den Radweg stellt sich als Sandabbau und -transport heraus.


Der Kilometerzähler rattert nur so,... bis Miltenberg. 
Und da rattert plötzlich mein Hinterrad und humpelt mühsam über das Kopfsteinpflaster: !!!Nein, ich hab einen Platten! Das erste Mal auf meinen inzwischen 5 Radtouren. So richtig platt ist er noch nicht, vielleicht hilft aufpumpen? Da wir praktisch vor einem Reifendiscount stehen, versuchen wir erstmal da unser Glück. Der Mechaniker ist hilfsbereit, bläst ein bisschen Luft hinein ....und beschreibt uns dann den Weg zum Fahrradladen. Mist, es ist kurz nach 12 Uhr, der macht doch sicher gleich Mittag. Also Manne voraus, ich zu Fuß hinterher, über die Brücke, alles gerade aus, bis zum Aldi...
Und da wird uns geholfen, ein neuer Schlauch ist fällig und der nette Fahrradhändler verzichtet sogar auf seine Mittagspause. 

Und warum wir das nicht selber machen?
Tja, also ich bin dafür nicht zuständig in unserer Reisegruppe und der Gerätewart kennt sich mit Scheibenbremsen noch nicht aus. Er redet schon die ganze Fahrt von dieser kleinen Gabel, die man unbedingt in die Bremsscheiben klemmen muss, wenn man das Rad herausnimmt. Und wenn man das nicht richtig macht, dann gehen die Scheiben zu und nie mehr auf....naja so ähnlich hat das immer geklungen. Und wir haben diese Gabel auch dabei!
Der Fahrradmechaniker hat sich einen gelacht, als wir ihn danach gefragt haben. "Da passiert nichts, außer wenn Sie bremsen", spottet er und drückt mit voller Kraft die Bremse zu. "haha, da gibt's Leute, die brechen den Urlaub ab, weil sie das Gäbelchen verloren haben".


Letzter Blick auf Miltenberg, jetzt wird es aber Zeit weiterzufahren- und der Manne ist dran:

Jetzt also ich:

Wenn man schon Pech hat, dann muss man einfach Glück haben.  Scheibenbremsenräder habe ich noch nie ausgebaut, aber hat ja Alles super geklappt! 


Kann ich nur weiter empfehlen! Auch wenn die erste Reaktion, des coolen Händlers etwas "ernüchternd" war. Er schaut mich an, schüttelt den Kopf, wackelt mit dem Zeigefinger, "Pedelec?" no way! - "Ey, wir fahren stinknormale Räder!" - Anscheinend hatte er keinen Bock darauf ein Hinterrad eines E-Bikes auszubauen! Nachdem dieses Missverständnis geklärt war, haben wir uns gut verstanden!





Was war sonst noch interessant heute? Die Jenny  das Wissenschaftsschiff hievt gerade ein Auto an Bord. Da kann man durchaus zuschauen. 

"Vom Frachter zum Ausstellungsschiff

Die MS Jenny, so heißt das Schiff, wenn es nicht im Namen der Wissenschaft fährt, wurde 1969 als MS VERA auf der Elfring-Werft in Haren (Ems) gebaut. Nach einem Verkauf in die Niederlande wurde es im Jahr 1987 von Karin und Albrecht Scheubner gekauft. Dem findigen Eigner- und Kapitänsehepaar verdankt sie, dass sie zum Ausstellungs- und Eventschiff umgebaut wurde. Seit 2020 steht Andreas Schüll am Steuer. "

Das wäre auch geklärt. Die Jenny liegt heute Morgen in der Nähe einer Schule. Eigentlich hätte ich gerne mal reingeschaut in dieses Mit-Mach-Museum. Aber wie gesagt, die Jungs waren damit beschäftigt das Auto an Bord zu hiefen.

Nach einigen Fehlversuchen gelang es uns dann doch "Frieda zu Wasser zu lassen" -  Und Alles ward gut!


Seit etwa 2 Tagen singt Friederike ein Lied vor sich hin.

"Auf dem Wege nach Aschaffenburg
brannten plötzlich alle Affen durch
und das war gar nicht fein-
sie sollten in den Zoo, doch kurzerhand,
sind unterwegs sie durchgebrannt.
Seitdem da laufen sie jetzt unerkannt
herum im ganzen Land..."

Erinnert Ihr Euch? Richtig, die Jacob Sisters! 1969.

Aschaffenburg ist für mich eine Überraschung. 


Schon beim Reinfahren beeindruckt die Johannisburg. Aber auch sonst hat Aschaffenburg eine Menge zu bieten. Die Stiftskirche mit dem Grünewald.




Leider ist das Christian Schad Museum derzeit geschlossen, aber es gibt auch so genug zu sehen. 
Und die Biergärten und Straßencafés sind einladend! 

Also lassen wir es für heute gut sein. 
Noch ein Gedicht??
Clemens von Brentano ist in Aschaffenburg gestorben.

Du verstecktes


Du verstecktes
Zugedecktes
Eingeschnecktes
Ausgehecktes
Schwarzgelocktes
Leichtgesocktes
Heiß geminntes
Weis gesinntes
Leis, geschwindes
Spiel des Windes
Sehend blindes
Fein geschnürtes
Bein geziertes
Heiß ersehntes
Leis versöhntes
Gold verwöhntes
Hold verschöntes
Huld gekröntes
Viel geprüftes
Nur verbrieftes
Und vertieftes
Nie verschieftes
All geliebtes
Mir betrübtes
Und geübtes
Viel gereistes
Mehl gespeistes
Seel umkreistes
Nie erzieltes
Nie verspieltes
Leicht gezäumtes
Aufgeräumtes
Mut gebäumtes
Blut durchschäumtes
Glut gesäumtes
Leicht zu Pferdchen
Tiefgelehrtchen
Huldgebärdchen
Treugefährtchen
Unversehrtchen
Harfenistin
Scharfe Christin
Bunt Palettchen
Schlüsselkettchen

 Ist doch abgefahren, oder? Ein Gedicht, knapp 200 Jahre alt!!
Gehabt´s Euch wohl! Bis Morgen!



Sonntag, 28. Juni 2020

14.Tag: Von Lohr nach Mondfeld





Die Nacht über hat es geregnet. Nach der drückenden Schwüle des Vortages ist es heute Morgen eher frisch. Aus dem Spessart steigen überall Wolken auf. Der nächste Regen kommt bestimmt. Zum Radfahren ideale Bedingungen. Der Mainradweg seit Würzburg ist absolut topp! Wunderschöne Strecken, nette kleine Orte, seit gestern alle in Rot.  Der rote Mainsandstein ist hier der Hauptbaustein gewesen, egal ob Brücken


oder Burgen oder Kirchen. Alles aus rotem Mainsandstand.


Das war extrem schlechtes timing. So kurz nach dem Frühstück kann ich mir Stecklfisch mit bestem Willen nicht vorstellen. Und es roch doch soooo lecker!!!


Der Kinnschutz hat sich übrigens mehrheitlich in der Maingastronomie durchgesetzt. No hard feelings, ich kann es ja verstehen, den ganzen Tag den Lappen vor dem Gesicht - aber Opa Johann trug seinen Barttrimmer aus anderem Grund. Er wollte seinem Vorbild Wilhelm Zwo ähnlich sehen!!

In Marktheidenfeld eine sehr nette Zufallsbekanntschaft. Im Vorbeifahren, durch einen Torbogen in Marktheidenfeld ein kurzer Blick in einen kleinen Garten. 




Das Stadtgärtlein von Marktheidenfeld ist eine sehr sympathische Freilichtgalerie, mit einer Reihe wirklich sehr gelungener Skulpturen. Besonders die Frauenfiguren von Heide Würtheim haben es mir angetan. Die Körperhaltungen sind so super getroffen, dass es einen Moment beim Vorbeifahren gedauert hat. "Moment mal, was hat hier nicht gestimmt?" Zum Glück haben wir umgedreht!

Der angekündigte Regen um die Mittagszeit kommt nicht. Beziehungsweise der sehr heftige Westwind treibt die Regenwolken von rechts nach links durchs Bild. Je nach Mainwindung, die wir gerade entlangfahren, auch über uns hinweg. Dann wird es unangenehm. Richtig heftiger Gegenwind. Die hohen Halme machen sich flach - ein seeehr schlechtes Zeichen.
Aber bei Homburg findet Friederike eine Bademöglichkeit. Und der Tag ist gerettet.


Das war eine richtige Gegenstromanlage. Friederike konnte kräftig schwimmen, ohne wirklich von der Stelle zu kommen.


Homburg ist auch von der Uferwiese aus schön! Man muss nicht Alles gesehen haben. Zumal auf dem heutigen Touristenprogramm ja noch Wertheim stand! 
Und Wertheim hat wirklich einiges zu bieten.


Die Burg, klar! Und wie gesagt rot. Dass sich hier möglicherweise Wolfram von Eschenbach aufgehalten hat um am "Parzifal" zu arbeiten, halte ich ehrlich gesagt für einen Marketing Gag. Niemand weiß, wann oder wo er was geschrieben hat. Sicher ist nur, dass er ein Lehen von den damaligen Wertheimer Grafen hatte.


Wertheim Stadtrundfahrt auf dem Fahrrad. Das Städtchen gefällt mir gut. 


Ganz besonders der Engelsbrunnen (1575). Die Figuren sind sehr nahe an Charakterpotraits. Der Gesichtsausdruck der Engelszwillinge hat so etwas von überhaupt nichts engelhaftes, das sind zwei ziemlich lebenslustige Jugendliche, die gerade die nächste Dummheit aushecken. Testosteron pur, oder? 

Gleich wen man die Stiftskirche betritt hat man das Gefühl, das ist nicht Fisch noch Fleisch. Eine ehemals Katholische Kirche, dann reformiert und dann bis ins 19.Jh.  in Simultannutzung. Keine der Kirchen konnte ihre Vorstellung  von "Gottes-Haus" realisieren. Die Reformierten konnten die katholische Bilderwelt nicht ganz löschen,  und die Katholische Kirche war in ihrer Prachtenfaltung ausgebremst.
Aber ein Schmankerl fiel mir dennoch ins Auge:


Das Stifterbild unterhalb des linken Seitenaltars ist doch die Wucht! Die hatte 7 Kinder. 5 Töchter und 2 Söhne. Die Söhne sind - "natürlicherweise" - deutlich größer als die Töchter. Was jedoch nicht heißt, dass sie auch die Erstgeborenen sind. Mit Sicherheit sind die ersten 3 der Töchter älter als die Söhne. Wie lange hat die Familie auf den "Stammhalter" gewartet?  Auf jeden Fall recken die beiden Sohnemänner ihr Kinn schon genauso selbstbewußt/überheblich nach oben. "Wir wissen wer hier wichtig ist!"
Aber jetzt ist genug Kirchengedöhns! Frieda, bitte übernehmen!

Frieda: Zuerst mein Bild des Tages:


                                         da läuft mir beim vorbeiradeln das Wasser im Mund zusammen und ich freue mich schon auf heute Abend. So hervorragenden Weißwein wie hier am Main habe ich lange nicht getrunken. Und wir fahren lange an solch herrlichen Ausblicken vorbei.

Der Main zeigt sich immer wieder in all seiner ruhigen Kraft, er gefällt mir immer besser!



Und manchmal wähnt man sich irgendwo ganz anders, im hügeligen Allgäu oder so:



Diese Kühe haben Hunger, zumindest machen sie ein ziemliches Gemuhe. Als wir an den Zaun gekommen sind, haben die Kühe ganz schnell die beiden vorwitzigen Kälbchen nach hinten geschubst, zu gefährlich diese komischen Leute mit Helm und Rad.

Im Stadtgärtlein von Marktheidenfeld war eine ganz besondere Stimmung, und mir hat dieser Teufel mit Panflöte sehr gut gefallen:


Neben der Ruhe war aber auch hier das "moderne Leben": eine Dreiergruppe von Ukrainern mit Bierflaschen, die uns auf dem Radweg schon begegnet sind, haben sich auch dort niedergelassen. Einer der Männer hat am Handy mit Geschäftspartnern verhandelt. Es klang nach diesen Transportgeschäften bei denen die "Anbieter" einen Kleintransporter fahren -damit wochenlang in Europa unterwegs sind- und sich online Transportaufträge abholen. Für Spottpreise, da sie sich gegenseitig unterbieten. Also heute sollte der Mann besser nicht mehr losfahren.

In Wertheim fließt die Tauber in den Main und hier könnte man abbiegen um das "romantische Taubertal" hinaufzuradeln. Und dann kämen wir fast in Limbach vorbei, Geburtsort von M.R., gell!

Nach einem anstrengenden letzten Abschnitt - war's der Eiskaffee in Wertheim und/oder der kräftige Gegenwind? Heute sind meine Beine echt müde- sind wir in Mondfeld angeschnauft. Es gibt hier einen Badesee: den Mondsee. Es wäre ein Stückchen zu laufen, das Wetter ist windig und doch...soll ich oder nicht... und bei diesen Gedanken schlafe ich doch tatsächlich auf dem Hotelbett vom "Weißen Rößl"ein. Tja, schade, aber mir bleibt ja noch das Gläschen Silvaner und irgendwas Deftiges mit Kloß.  


Samstag, 27. Juni 2020

13.Tag von Würzburg nach Lohr

die Karte

Siebenschläfer war für mich ein 10 Punkte Tag. 62 km gefahren, die waren harmlos und bis auf einen kleinen sehr fiesen Anstieg super zu fahren.
Der Tag begann mit einer kleinen Rundfahrt durch die Gärten der Würzburger Residenz, 
wie kann ein Tag besser beginnen?




Und dann sind wir auf einem schönen Radweg durch eine großangelegte Parklandschaft aus Würzburg hinausgeradelt. Schöner alter Baumbestand! Wir sind Samstagsradlern und Joggern, auch ein paar Radgruppen und einigen Anglern begegnet. Auch auf dem Wasser war ein bisschen was los: Stand up Paddler, Väter und Kinder in aufblasbaren Bötchen und sogar ein Ausflugsschiff:
                                        "Die alte Liebe":


Und kaum waren wir richtig eingefahren, die müden Beine so ganz allmählich entspannt, da lädt uns der Main schon wieder zum verweilen: Bade-und Taichi-Pause


Der Main hat wenig Strömung hier und doch hab ich mich ein bisschen verschätzt beim Flußabwärtsschwimmen (in der Richtung war die Landschaft einfach schöner). Manne dachte schon ich komm gleich auf dem Radweg hochgelaufen. Aber nein, das war halt ein sehr ausgiebiges Flußbad. Und bestimmt hatte es 21-22 Grad.

Und um den Tag perfekt zu machen, saß plötzlich eine alte Frau in einem Gartentörchen am Radweg und hat Kirschen verkauft. Das war ein bisschen wie im Märchen: die 11 Uhr Kirschen.

Dass es später dann gewittert hat, und dass wir nass geworden sind, das ist Nebensache.


Und von wem die Silvaner, die ich die letzten beiden Tage getrunken habe, tatsächlich sind, weiß ich nicht, immer aus der Region und immer hervorragend. Aber ich bin dabei, ihr Winzerinnen:



Also gut, jetzt also ich:

Heute Morgen, konnten wir den Irrtum von gestern korrigieren. Oben die Residenz, hier noch einmal die Festung beim Rausfahren.


Kann man doch ganz gut auseinander halten!

Es war wirklich ein sehr angenehmer Radeltag. Eher unspektakulär. Nette kleine Orte. Aber nicht so,
dass man unbedingt vom Rad absteigen und in die fußläufige Besichtigung umsteigen musste.


Mal eine Burg (Karlburg?), mal ein Städtchen mit Stadtmauer. 


Karlstadt. 
Himmelstadt war auch ganz nett. Da gab es sogar eine Art Briefmarkenmuseum zum Durchfahren. Das wird daran liegen, dass viele Briefe mit Wunschzetteln nach Himmelstadt geschickt werden und man dort sich eine veritable Briefmarkensammlung zugelegt hat.

Ok. Dann noch der 50. Breitengrad.


Was liegt noch auf dem 50° Breitengrad? Gerade so mal eben Prag, im Westen geht er durch den Ärmelkanal und in Kanada liegt Campbell River und ganz knapp daneben, Winnipeg.
Wie gesagt, so richtig spektakuläres gibt es von dieser Strecke nicht zu berichten. Was sehr schön ist!
Ab Karlstadt haben wir uns ein Rennen mit einer Gewitterfront geliefert, welches knapp zu Gunsten des Regens ausging. Dabei sind wir noch gut weg gekommen, sie hat uns nur am Rande, mit etwas Hagel gestreift. Danach wurde es bald wieder warm.

Lohr, unsere heutige Etappenstadt, nennt sich das "Tor zum Spessart" und die "Schneewittchenstadt".
Ersteres mit einiger Berechtigung, letzteres ist ein recht frecher Marketing-Gag.
Lohr ist ist trotzdem ein sehenswertes Städtchen.





St. Michael ist denkmalgeschützt, wegen ihres romanischen Ursprungs. Innen hat man sich riemenschneidernd anfang des 20.Jahrhunderts in die Vergangenheit geträumt.

Verrückt jedoch die Kapelle nebenan. Hier kann man ohne jede Vorankündigung die Figurengruppen und Utensilien für die Karfreitagsprozession anschauen, die wohl jedes Jahr in Lohr abgehalten wird.




Aber ganz ehrlich, was hat olle Jonas im Walfischmaul auf einer Karfreitagsprozession zu suchen?
Mal abgesehen davon, dass es die coolste Figur der ganzen Prozession ist.



Warum Jonas bei einer Karfreitagsprozession auftaucht, liegt wahrscheinlich an den üblichen   Parallelisierungen zwischen AT und NT und steht  für die "Auferstehung" - Ansonsten müsst Ihr die Lohrer Feuerwehr fragen, die den Walfisch durch den Ort trägt.
Lohr hat die älteste Karfreitagsprozession in Deutschland, sie geht bis in den 30jährigen Krieg zurück.


Wir haben gut gegessen! Es gab lecker Lohrer "Keiler"-Bier.


Da kommt mir doch noch einmal Friedrich Rückert in den Sinn, Ihr wisst schon der aus Schweinfurt,  die alte Staubbacke. Inzwischen habe ich alle meine Vorurteile abgelegt. So langsam mag ich ihn:

Und als ich durch den Spessart ging,
Dacht ich an alte Zeiten;
Da rauschte in dem Busch ein Ding,
Ich dachte, was wird´s bedeuten?
Es wird ein alter Deutscher sein!
Da kam heraus ein alt wild Schwein.

Ich wünsch Euch eine geruhsame Nacht! Und Werder Bremen erfolgreiche Relegationsspiele!


PS: Was ich mir merken muss!
Kirschen und türkischer Eistee,- das geht gar nicht. Sollte man bei ausgedehnten Freizeitaktivitäten meiden!!!